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4.  Meine Sicht

 

Unsere intellektuelle oder emotionale Verständnisfähigkeit wird das Mysterium der kosmischen Existenz und ihres Laufes in der Zeit nicht klären.  Man sucht nach einer Position, die das beobachtende Denken, das mitempfindende Erleben und das Suchen nach der richtigen Richtung des Handelns verbindet.  Zum Schluß bleibt eine persönliche Entscheidung, wo man stehen will, denn eine klare Lebensführung verlangt eine klare Grundlage.  

 

Ich selber glaube an eine letzte Essenz der Existenz, aus der unser Kosmos und seine Naturgesetze, Konstanten und Prinzipien entstanden sind.  Dieser abstrakten Essenz kann man keinen Namen geben und man kann sie nicht verstehen. 

 

In dieser Essenz ist unser eigenes Wesen und unser Leben verankert.  Unsere Fähigkeiten und unser Empfinden sind aus der Anlage des Kosmos und somit aus dieser Essenz entstanden.

 

In der seelischen Verbindung zu dieser Essenz finde ich Friede des Herzens und Stärke zum Handeln. 

 

Die seelische Verbindung zur Essenz des Kosmos ist eine Art des Anrufens dieser Essenz im Suchen – in Verzweiflung, Suche nach Mitleid und auch in Freude und Dankbarkeit.  Ein solcher Anruf – oder „Gebet“ – kann aber nicht die Erwartung von Hilfe beinhalten. 

 

Der Friede des Herzens kommt aus der Annahme der eigenen Position und des eignen Schicksals in der Größe und im Lauf des Kosmos – um den Ablauf der Welt zu ertragen und schließlich im Tode wieder in diese Schöpfung einzugehen. 

 

Die Kraft zum Handeln kommt aus dem Erkennen der Selbstverantwortlichkeit des Menschen in dieser Welt – der steten Notwendigkeit zum Handeln, wenn Verbesserungen durch eigenen Einsatz möglich sind, stets dem rechten Weg folgend.   

 

Ich bin dankbar, daß Christus im Laufe dieser Welt erschien und unserem Leben eine moralische Ausrichtung auf menschliche Werte gab.

 

So ist im Gebet das „Dein Reich komme“ zu verstehen als das Sehnen nach Ruhe in „Gott“ und nach einer besseren Welt – aber vielleicht mehr noch als die von der Schöpfung an uns gestellte Aufgabe.