Die Frage nach dem Gesetz

 

Es wurde in einem vorherigen Abschnitt aufgewiesen, wie sich das religiöse Gesetz von einer Opfer- und Ritualordnung zu einer Stützung der Hierarchie, zu einer symbolischen Disziplinübung und schließlich zu einer Ordnung des menschlichen Zusammenlebens umgestaltete.  Mit der Intellektualisierung des öffentlichen Lebens geht dann die gesellschaftsgestaltende Gesetzgebung auf die politischen Instanzen über, in Konvergenz oder Parallelität zur religiösen, auf „Gott“ begründeten Ordnung.  Verbleibende Differenzen mit konservativen kirchlichen Gruppen können nur schwer ausgeräumt werden, da sich diese Gruppen auf die göttliche Grundlage ihrer Gesetz beziehen und somit nicht der demokratischen Entscheidungsfindung oder neueren Erkenntnissen unterordnen (siehe rechts-stehende Christen, Juden oder Muslims).

 

Gesetze konzentrieren sich im Allgemeinen auf die Vermeidung des „Bösen“ und Nutzlosen.  Beides sind Phänomene, die sich auch bei jeder Weltraumzivilisation finden müssen – wegen der statistischen Verteilung des Verhaltens und der Schicksalsereignisse.  Daher gilt es überall, das Böse abzuwehren und das Nutzlose zu vermeiden.  Warum sollten sich Gesellschaften im Weltraum aber nur auf die Vermeidung von Problemen konzentrieren und nicht auch auf die Optimierung von Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten?  So ginge es bei einem das „Böse“ einschränkenden Gesetz wohl um das Einschränken und Bestrafen, bei einem das „Gute“ oder Chancen fördernden Gesetz müßte es aber wohl um das Fördern und Belohnen gehen.

 

Unser auf Schutz ausgelegtes Gesetz auf Erden tendiert zur Zeit zur Betonung von „Rechten“ der Individuen oder Gruppen und Bestrafung von Verletzungen dieser Rechte.  Bei einer Ausrichtung der Gesellschaft auf Ziele müßten aber auch „Pflichten“ in das Gesetz eingehen, auch bei uns auf Erden, begleitet von Belohnungen für erbrachte Beiträge.  In der christlichen Lehre ist das durch christliche Ethik und Paradieserwartung vorgesehen.

 

In der gesellschaftlichen Ordnung auf Erden, die dann zur Formulierung von Gesetzen führt, gibt es dabei nun drei unterschiedliche Richtungen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen:

o       Bei Betonung des größten Nutzens für die Gemeinschaft kommt es zur Aufopferung des Einzelnen oder seiner Interessen.  Nicht nur die Spartaner, sondern auch autokratische oder diktatorische Systeme unserer Zeit sind dafür Beispiele.  Man sollte beachten, daß eine Maximierung des Nutzens für möglichst viele Individuen in der Gesellschaft auch die Berücksichtigung des Interesses zukünftiger Generationen einbeziehen müßte.  [1]  Und wie steht es mit den Rechten und Anspruch auf Nutzen nicht-menschlicher Lebensarten? 

o       Bei Betonung des geringsten Risikos für die Schwächsten (siehe John Rawls Schriften) kommt es zu einer egalitären Tendenz, wie in einer Demokratie.  Dabei wird aber außer Acht gelassen, daß der Mensch zwischen Risiken und Chancen – wie in der modernen Analyse von Geschäftsentscheidungen – eher entsprechend einer Nutzen-Kurve („utility-graph“) urteilt.  Die Nutzen-Kurve hat aber auch einem positiven Arm, der der Beurteilung von Chancen und Hoffnungen entspricht.  Die Kurve ist allerdings stark nicht-linear. 

o       Bei Betonung des Bedarfs, des Schutzes und der Rechte des Einzelnen, wie in einer christlichen Ordnung und in modernen Demokratien zu finden, wird auch der Behinderte, Alte oder Nutzlose geschützt und zu Lasten der Allgemeinheit gefördert.

 

Wegen des Zusammenwirkens von sachlichen und emotional-psychologischen Gründen scheint es keinen allgemein-gültigen, „wissenschaftlich“ begründbaren Vorzug für die eine oder andere Richtung zu geben.  Es verbleiben immer kulturell- und emotionalbedingte Betonungen der Fairness gegenüber dem reinen Nutzendenken – und die beobachtete nichtlineare „Nutzenkurve“ beim Urteilen der Menschen.

 

So ist also nicht notwendigerweise anzunehmen, daß es in hochentwickelten Weltraum-Zivilisationen nach einer genügenden Zeit ihrer Entwicklung kosmisch-einheitliche oder „göttliche“ Moralgesetze oder „göttliche“ Gesetze für die Ordnung der Gesellschaft gibt, sondern die aus dem Bedarf ihres individuellen Wesens und ihrer individuellen Zivilisation als für sie optimal erkannten. 

 

Wenn der Glaube an einen „weiterwirkenden“ und „persönlich anrufbaren“ Gott fehlt, entfallen auch alle Opfergesetze, die nicht sozialen Charakter haben, sowie alle Ritualgesetze, die nicht hygienisch begründet sind.  Bestenfalls bleiben traditionelle Gewohnheiten.

 

So wäre es von größtem Interesse herauszufinden, welche Richtung die Gesetze entfernter Weltrumzivilisationen verfolgen, zumal wenn sie weiter fortgeschritten wären, als wir hier auf Erden, und worauf sie die Rechtfertigung oder Autorität ihrer Gesetze stützen.

 

Gibt es eine Konvergenz mit religiösem Denken?

Der traditionell-religiöse Mensch sieht die Verankerung unserer moralischen Gesetze im Göttlichen dadurch, daß die Ideen für diese Gesetze „göttliche“ Eingebungen in den Geist erwählter Menschen waren, ob bei Moses, Christus, Mohammed oder dem Gründer der Mormonen.  Dabei bleibt es aber eine Frage des persönlichen Glaubens zu unterscheiden, welche Eingebungen „echt“ von Gott sind und welche nur von den Religionsstiftern erdacht [2].

 

Das allgemeine Prinzip der Evolution zeigt, daß es im Leben darum geht, sich in zunehmender Eigeninitiative und Selbstverantwortung zu behaupten, sich anzupassen, zu wachsen und sich zu entfalten.  Diese positiven und aufbauenden Aspekte entsprechen mehr dem Leben in der Welt, als die negativen Aspekte der Problemvermeidung und des sich Zurückziehens.  Das heißt, daß eine Theologie, die die Sünde auf Erden und das Glück im Jenseits als zentrales Thema hat, nicht dem eigentlichen Wesen der Schöpfung und ihrer Evolution in dieser Welt entspricht.  So müßte es auch bei einer religiösen Gesetzesordnungen nicht nur um Sündenvermeidung, Fehlerkorrekturen und Strafen, sondern besonders auch um Betonung der Entwicklungs- und Wirkungs-Möglichkeiten der jeweiligen Wesen gehen und damit nicht nur um Rechte, sondern auch um Verpflichtungen.

 

Die christliche Lehre hatte eine für ihre und auch noch unsere Zeit besondere Wirkung.  Im harten Überlebensringen früherer Zeiten, überleitend zu Urbanisierung und Bildung von Reichen, hatten die großen Herrscher und Kriegshelden, dann die reichen Händler und Besitzer und immer schon die höchsten Priester besondere Bedeutung in der menschlichen Gesellschaft gefunden.  Dem setzte Christus das Mitleid und die Seligpreisungen entgegen (die Menschen anleitend, sanftmütig zu sein, barmherzig, reines Herzens, und friedfertig).  Diese Gedanken haben zu der sozialen Gesetzgebung und internationalen Hilfe unserer Zeit beigetragen.  Werden andere Weltraumzivilisationen eine entsprechende Bereicherung ihres Gesetzesdenkens benötigen,  um auch in unserem Sinne kulturell höhere Gesellschaften zu werden?  Würde darin ihr „Erlöst-Werden“ von der „Sünde“ stattfinden?

 

Bei hochentwickelten Weltraumzivilisationen kann man, wie gezeigt, nicht erwarten, daß die grundsätzlichen Gesetze sich auf „göttliche Eingebung“ beziehen, sondern auf den aus der Evolution resultierenden Bedarf der Individuen und ihrer Zivilisation.  Im Erkennen dieses natürlichen Bedarfes liegt aber ein Sich-Einfügen in die eigengesetzliche Entwicklung der Schöpfung und damit ein transzendentales, wenn nicht fundamental-religiöses Element, nämlich die Anerkennung und Ausführung des Willens des Schöpfers, ausgedrückt in seiner Schöpfung.  So sieht man hier wieder die Dualität und das mögliche Zusammenlaufen von wissenschaftlichem (und möglicherweise atheistischem) und religiösem Denken, von sozial oder politisch und von religiös fundierten Gesetzen in einer modernen Gesellschaft.

 

 

Die Frage nach dem Sinn oder Plan der Existenz und des eigenen Lebens

 

Die Frage nach dem „Sinn“ der Existenz sollte man vielleicht aufgliedern in die Fragen nach dem begründenden „warum?“ und nach dem zielgerichteten „wozu?“ und damit etwa nach einem „Plan“ der Schöpfung.  Wesentlich ist aber, daß dazu noch die praktische Frage des „was tun?“ für unser Leben hinzukommt.  

 

Das „warum?“ und „wozu?“ ist letztlich verdeckt durch die Undurchdringlichkeit des Urknalls am Schöpfungsbeginn und der erwarteten Auflösung der Struktur des materiellen Universums in ferner Zukunft in entweder „Schwarzen Löchern“, einer Zerstrahlung im Weltraum oder einem allgemeinen Zusammenbruch.  So bleibt nur die eine Antwort, daß alle Existenz letztlich lediglich „zur Freude“ des Schöpfers da ist, wie ein zeitlich begrenztes und dann vergehendes Feuerwerk.  So wie die unbelebte Phase der Existenz nichts anderes war und ist wie ein Feuerwerk zur Freude des einen Beschauers, Gott, so mag die ebenfalls ja mit ihren jeweiligen Sternen vergängliche Phase des Lebens, immer unterschiedlich auf den verschiedenen Himmelskörpern verlaufend, nichts anderes als eine Kaleidoskopfreude für den Schöpfer sein, ohne jeden anderen Selbstzweck.

 

Die Fragen nach dem „was tun“ mit unserer Existenz bleibt aber noch offen für jedes selbstverantwortliche Lebensphänomen zwischen Urknall und endlichem Vergehen, für jedes individuelle Lebewesen eingegrenzt durch Geburt und Tod der eigene Lebensspanne und für die Kulturen durch die letztlich auch kurz begrenzte Zeit ihrer jeweiligen Blüte oder Bedeutung.  Wenn wir den Schöpfer nicht befragen können nach dem „was tun“, so bleiben nur zwei Alternativen als Antworten:

o       Alles Existierende als lediglich von den Anfangsbedingungen her gegeben oder als Ergebnis von Zufällen beim Spiel der Naturgesetze im Ablauf der Weltevolution zu sehen.  Daraus ergibt sich, aus der Beobachtung der Schöpfung und des eigenen Wesens die größtmögliche Erfüllung der eigenen Existenz innerhalb der Schöpfung abzuleiten und entsprechend zu handeln.

o       Gerade in dem unvorhersehbaren Erscheinen der Lebensphänomene und des Menschen ein Wunder der Schöpfung zu sehen und aus der Beobachtung dieser Dynamik der Existenz ein Verständnis des Schöpfers, vielleicht auch unsere eigene Rolle in der Schöpfung abzuleiten.  Die Probleme mit dieser Vorstellung wurden in einem vorhergehenden Abschnitt bereits dargestellt.  Daraus ergibt sich aber als eigene Vorstellung,  sich dieser Schöpfungsentwicklung einzufügen und an der Weiterführung dieser Entwicklung mitzuwirken. 

 

Damit sind die beiden Alternativen, die atheistische und die gläubige, nicht sehr unterschiedlich.

 

Die Interpretation des dynamischen Charakters der Schöpfung:

Hier noch einige Gedanken, das „wozu“ aus einer Interpretation der Schöpfung, etwa aus dem bisherigen Verlauf der Entwicklung des  Universums, ablesen zu wollen.

 

Wenn man den Weltraum betrachtet, ist es immer wieder erstaunlich, wie viel davon materielle Leere [3] ist und wie wenig konzentrierte Materie sich da nur in winzigen Punkten weit verstreut im Kosmos vorfindet.  Selbst von der  vorhandenen konzentrierten Materie eignet sich nur ein unendlich kleiner Teil, auf wenigen, winzigen Planeten einiger verstreuter Sterne, für die Entstehung von Leben und dessen Erhalt für nur eine begrenzte Zeit, vielleicht nicht einmal lang genug, um Zivilisationen entstehen zu lassen.

 

So kann man nicht sagen, daß das Leben oder der Mensch der Zweck und das Ziel oder der Plan der Ur-Schöpfung waren.  Sonst gäbe es viel mehr bewohnbare Plätze im Universum und wir müßten bald feststellen können, daß es von bewohnten Planeten in anderen Sonnensystemen wimmelt (was diesem Aufsatz mehr Dringlichkeit geben würde).  Der Mensch wäre dann auch ohne viele Unterbrechungen der Evolution durch Auslöschungen viel früher entstanden.  Das Leben und der Mensch scheinen aber in ihrer ungewöhnlichen Seltenheit und im übrigen Kosmos und hier auf Erden nur sehr fragilen Haltbarkeit eher wie eine Überraschung der Schöpfung, die sich zufällig aus den physikalischen und chemischen Gegebenheiten auf unserem kleinen Planeten und vielleicht auch irgendwo sonst im Weltraum und im Laufe der Zeit und nach der Art und im Maß der dort steigenden Komplexität des materiellen Aufbaus als möglich erwies und dann auch so entstand.  Es sind also die zufälligen Randbedingungen, nicht irgendwelche Ziele, die in einer immer feiner werdenden Verästelung von Gegebenheiten die Evolution ermöglichen.

 

So erstaunlich, wie die Geringfügigkeit und weite Verstreutheit der materiellen Konzentration in Form von Sternen und Planeten in der Weite des Weltraums, ebenso erstaunlich ist, wie der ganze Weltraum überall von Strahlung erfüllt ist.  Alles strahlt aus allen Richtungen oder reflektiert Strahlung. 

 

Durch die Strahlungen und chemische Vorgänge bilden sich mancherlei organische, pre-biotische Bausteine.  Das ergibt sich daher, weil der materielle Aufbau der Schöpfung im Laufe der Zeit nach dem kombinatorischen Prinzip verläuft (siehe eine vorausgehende Fußnote), wonach kleinere Substanzteile sich zusammenfügen, um völlig neuartige, größere Teile zu bilden mit ihren dann jeweils eigenen Eigenschaften in neuen Dimensionen der Existenz.  Dieses Grundprinzip der Natur erstreckt sich von der materiellen zu der biologischen und schließlich mentalen Evolution der Menschen und ihrer Zivilisationen.  Danach entstehen aus sub-atomaren Materieteilchen die atomaren Kernteilchen – Protonen, Neutronen und Elektronen.  Durch Kombinationen dieser Kernteile entstehen innerhalb der Sterne alle möglichen Atome, die die uns bekannten Substanzen ergeben – die chemischen Elemente.  Durch Kombination der verschiedenen Atome entstehen Moleküle, die die verschiedensten Materialien ergeben, einschließlich der biologisch-organischen, auch das DNA der Gene und die Proteine.  Die biochemischen Moleküle können schließlich auf dem Wege über Zellen die kompliziertesten Organismen bilden –selbst uns Menschen, die des Denkens fähig sind. Aus Gedanken bilden sich Systeme des Wissens, der Philosophie und auch der Religion.

 

Nach der Entstehung des ersten, primitiven Lebens auf Erden vergingen weitere mehr als ca.   2.5 Milliarden Jahre (also immerhin fast 20 % der Weltraumexistenz und über 50% des Erdalters), ehe sich komplexere Lebensformen bildeten.  Wenn man dann die biologische Evolution durch die folgenden ca. 600 Millionen Jahre Darwinscher Evolution ansieht, ist es immer wieder erstaunlich, wie viele Entwicklungswege sich bildeten und wie viele wieder ausgelöscht wurden.  Die Auslöschung der Dinosaurier ist wohl die bekannteste, aber zahlreiche Auslöschungen gleichen oder prozentual größeren Ausmaßes fanden laufend vorher schon statt.  Von den überlebenden, zahlreichen Arten des Lebens erreichten die meisten keinerlei eigenes Bewußtsein oder Denken. 

 

Nun sieht es so aus, als ob mit dem modernen Menschen die biologische Evolution zum Stillstand gekommen sei – durch Wissenschaft, Technik, Züchtung von einigen Pflanzen- und Tierarten, sowie Unterdrückung von anderen, durch politische Denken, das zu ausgleichenden Menschenrechten führte, und durch die stark verminderte Fortpflanzungsrate der menschlichen Elite.  Aber der Mensch, der ja selbst ein Ausdruck der Schöpfung ist, setzt nun die Evolution mit der Genmanipulation fort, also als Schöpfungsausdruck nur mit anderen Mitteln.  Zudem genügt ja nur eine weitere von den vielen biologischen Auslöschungskatastrophen der Erdgeschichte, um den Menschen wegzuräumen und die natürliche Evolution, dann vielleicht auf Grundlage einer ganz anderen Gattung, fortzusetzen (und den Mensch nur als vorübergehende Seitenentwicklung aufzuweisen, wie einst die Dinosaurier).

 

Das „anthropische Prinzip“ postuliert, daß die Evolution letztlich so ausgerichtet war, daß das menschliche Leben hier auf Erden ermöglicht wurde.  Das könnte von jedem früheren Wesen auf Erden auch behauptet worden sein, bis es durch eine der großen Auslöschungen wieder weggewischt wurde.  Und was wird gesagt, wenn einmal der Mensch durch eine zukünftige Auslöschung wieder verschwinden muss?  Es ist nicht einzusehen, warum diese „anthropischen“ Überlegungen nicht von anderen hochentwickelten Zivilisationen im Weltraum ebenso als auf sich bezogen gesehen werden könnten.  Das in die Zukunft geöffnete „kombinatorische Prinzip“ der Evolution scheint eine bessere Beschreibung dessen zu sein, was im Universum geschieht, als das auf ein Ziel ausgerichtete  „anthropische Prinzip“.

 

So kann man nicht sagen, daß der Mensch oder andere hochentwickelte Wesen im Weltraum mit ihrem Bewußtsein, ihrer Denkfähigkeit und vielleicht ja nicht nur bei uns auf Erden leitenden, empfindungsmäßigen Werten der Zweck und das angestrebte Ziel oder der Plan einer biologischen Schöpfung sind.  Sonst wäre diese Entwicklung früher, vielleicht auch in anderen Entwicklungszweigen entstanden und nicht von Auslöschungen ständig bedroht.  Die hochentwickelten Wesen scheinen eher wie eine „Überraschung“ der sich biologisch entfaltenden Schöpfung, die sich aus der statistisch verteilten, kombinatorischen Weiterentwicklung des Fortpflanzungsmaterials und der damit fortschreitenden physiologischen Komplexität der Lebewesen als möglich erwies und dann irgendwann zumindest einmal und zumindest vorübergehend in geeigneter Umgebung auch so in der Realität entstand.

 

Für den Menschen ergibt sich aber in der Schöpfung, daß er in gewissem Maße nicht nur Anfangs- und Randbedingungen setzen oder verändern, sondern auch selbst handeln kann.

 

 So ergibt sich als möglicher „Sinn“ der Existenz für den Menschen, nicht nur „zur Freude des Schöpfers“ zu existieren.  Er kann dank seines Bewußtseins wie bei dem kaleidoskopischen Feuerwerk zuschauen. 

 

Besonders kann er aber auch selbst am dynamischen Gang dieser Evolution zu höherer Komplexität, höheren Fähigkeiten, höheren Werten und der Schaffung von Schönheit aktiv und mit Freude  teilnehmen – zumindest während der kurzen Zeit der Existenz, die ihm zugemessen ist. 

 

So werden der Mensch und alle anderen bewußten und selbstverantwortlich handelnden Lebewesen im Weltraum Mitbeobachter und Mithandelnde – vielleicht die einzigen – an diesem kosmischen Drama, ihre eigenen Leitwerte einbringend.  Damit geben sie ihrer Existenz ihren eigenen Sinn.

 

Während man so keinen Sinn oder Zweck in der Schöpfung als Ganzes sehen mag außer der Freude Gottes, so muss man aber bestimmt einen Sinn oder Zweck in der Erfüllung unseres eigenen Lebens sehen – zumal wenn man die Kürze der Zeit betrachtet, die unseren individuellen Leben zugemessen ist.

 

Das führt zurück zu der jedem intelligenten und bewußten Leben dann einen spezifischen Sinn gebenden Frage „was tun?“.  

 

In jeder Evolution gilt im einfachsten Sinne das „Überleben, Gedeihen, Sich-Vermehren“.  Darüber hinaus gilt aber für uns Menschen mit unserer vielfältigen Begabung und komplexen Wesensart die Matrix:

 

 

Auf das „Ego“ des

Individuums bezogen

 

Auf Andere, die

Gemeinschaft und

Umwelt  bezogen

Auf das ästhetische,

kulturelle Empfinden

bezogen

 

Die Ebene der

menschlich-geistigen   Elite und derjenigen,

die der Not

enthobenen sind

 

Wachsen:

Persönliche Entfaltung, wachsen, erforschen,

vielfältiges suchen nach Wissen und tieferer

Erkenntnis, lernen und

Sich betätigen

Dienen:

Unterstützendes und

karitatives Helfen für

andere Individuen und

beitragendes Dienen an

der Gemeinschaft und

Umwelt

Kultur:

Teilnahme an der

Kultur und Kunst,

Freude an dem

Schönen der Welt

(auch Humor).

Die Ebene des

Durchschnitts-Lebens

Erreichen von

Sicherheit, Besitz,

Einfluß und Ruhe

Anerkannt werden,

herrschen, den eigenen

Clan fördern, zufrieden sein

Unterhaltung, Dekoration, Mode,

Ritual, Genuß

 

Die Ebene des

einfachen Lebens

Überleben, biologische

Bedürfniserfüllung,

Vermehrung, Ruhe

Fürsorge

für die Nächsten,

Kontakt mit anderen

Menschen

Freude an Klang,

Muster und Farbe

 

Die drei Spalten unterscheiden sich in Betonung auf Vernunft, emotionale Werte und Lebensfreude.

 

Damit sind unsere höchsten Ziele:

o       das persönliche, geistig-emotionale Wachsen und Sich-Entfalten,

o       das beitragende Dienen am Mitmenschen, der Gemeinschaft und Umwelt,

o       die empfindungsmäßige Bereicherung des Lebens in Kultur, Kunst, Freude (und Humor).

 

Diese hohen Ziele sind abgestützt auf die genügende Erfüllung der unteren, vor allem der untersten Ebenen des Seins.  Es ist auch eine Tatsache, daß auf oberer Ebene die persönliche Entfaltung und das Tun guter Werke erleichtert oder erhöht wird, wenn man auf der mittleren Ebene mehr Geld und Macht erworben hat.  Das Land Amerika, die Rockefellers und jetzt Bill Gates haben mehr Gutes getan dank Ihres Reichtums, als sie hätten tun können, wenn sie unbedeutend geblieben wären.  Ich selber bedaure manchmal und kritisiere vielleicht mich selbst, nicht mehr Geld verdient und eine größere Position erreicht zu haben (etwa in der Politik, selbst auf lokaler Ebene), um dann mehr Menschen geholfen haben zu können.

 

Umgekehrt ist besonders zu bemerken, daß die höheren Ziele dadurch leichter verfolgt werden können, wenn man auf den unteren Ebenen die Erwartungen und den eigenen Bedarf reduziert, sich von deren „Versuchungen“ frei hält.  Dieses Reduzieren der Erwartungen in den unteren Ebenen zur besseren Konzentration auf die höchste Ebene wurde schon von Christus gelehrt.  Der nach Reichtum Trachtende wird kaum mit den selig Gepriesenen ins Paradies eingehen.  Auch Walther von der Vogelweide (1170 – 1230 A.D.) sang davon in seinem wunderbaren Lied vor nun schon 800 Jahren.  Noch heute gilt das für jeden von uns.

 

Dabei bekommt die persönliche Entfaltung erst durch den beitragenden Dienst an Andere, an die Gemeinschaft und an die Umwelt ihre moralische Rechtfertigung.  Andererseits bekommt aber dieser Dienst seine höhere Qualifikation und Wirksamkeit dank einer persönlichen Entfaltung.  Die Freude an allem Schönen in der Welt ist dabei ein Geschenk der Schöpfung an den Menschen.

 

Wenn auch die oberste Ebene der Matrix die in einer Evolution führende und die mittlere Eben die eine Evolution antreibende ist, so ist doch zu bemerken, daß die unterste Ebene der Matrix die auf Erden realste ist.  Noch immer ringen sehr viele Menschen auf Erden – wenn nicht sogar die Mehrheit derselben – nur um das Überleben und die Erfüllung der geringsten Bedürfnisse.  Nach Darwinschen Überlegungen muß das auch so bleiben, da auch der Mensch, wie jede andere Lebensgattung, sich derart vermehrt, daß jede Existenznische bis zur Grenze der Überlebensmöglichkeit (und darüber hinaus) ausgefüllt wird, ob in der Wildnis, in den Slums der Großstädte oder den einzelnen Berufssparten.  Jede Änderung der Umwelt oder der wirtschaftlichen Gegebenheiten verletzt dann zuerst die vielen marginalen Individuen ohne Reserven und Flexibilität.

 

Aber auch der Mensch auf der niedrigsten Stufe kennt sehr wohl die Nächstenliebe im engen Familienkreis, die Freundschaft und die Freude am Schönen und nimmt daraus seinen Lebenssinn.  Es ist interessant (und vielleicht bedauerlich), daß dann beim Aufsteigen zunächst die Ebene des Besitz- und Machtanhäufens und der simplen Unterhaltung folgt.

 

Die Ungleichmäßigkeit des Schicksals führt dazu, daß vielen Menschen ihre Existenz als wertlos und sinnlos erscheint.  Reduzierung der Lebenserwartungen oder Änderung der Erwartungen können ihrem Leben neuen Sinn ermöglichen.  Oft kommen wohl auch noch Wendungen zum Besseren, aber oft bleibt nur der helfende Eingriff anderer Menschen, um neuen Lebenssinn zu finden.

 

Hier noch ein Kommentar zum Maß des Engagements in Verfolgung hoher Ideale:

Die Möglichkeit eines „zu viel“ ist beim „Dienen“ in karitativer und sozialer Hilfe bekannt.  Dieses „zu viel“ kann zu einer Schwächung des Hilfe-Empfangenden durch Gewöhnung führen (Krückeneffekt) oder es kann dessen Entwicklung von eigener Kraft zur Selbsthilfe schwächen.  Ein „zu viel“ des Dienens kann aber auch den Hilfegebenden verschleißen. 

 

Ein solches „zu viel“ kann es bei den in der Matrix genannten hohen Idealen auch bei der Verfolgung des eigenen „Wachsens“ geben.  Das Hinausreichen zu immer neuen, fernen Wissens- und Erfahrungsgebieten kann den Menschen zu weit von seiner menschlichen Wurzel in dieser Welt entfernen, so daß letztlich nicht nur seine Menschlichkeit, sondern auch ein gewisses geistiges Gleichgewicht leidet.  Das kann geschehen, wenn man zu tief in die Wissenschaften einsteigt oder in die Philosophie oder auch die Theologie.  Aber ein stagnieren in der jugendlichen Entwicklung, ein später sich zufrieden Geben mit stets den gleichen Stammtischunterhaltungen oder endlosen Runden von Golf und ein Ruhestand vor dem Fernsehempfänger ist bestimmt nicht die Erfüllung des menschlichen Lebens.

 

Wahrscheinlich kann man auch ein „zu viel“ über die Hingabe an „kulturelle“ Freuden sagen.

 

In unserer westlichen Zivilisation wird auch immer die Möglichkeit eines „zu viel“ der ethischen und technologischen Weiterentwicklung diskutiert – ein Verlorengehen der Familienwerte, das Verlorengehen der mütterlichen Fürsorge in der Familie durch die Bindung der Frauen an interessante Berufe und die Bedrohung alles „menschlichen“ Lebens durch zu viel Technologie.  Sollten wir nicht innehalten und uns dessen erfreuen, was wir haben?  Diese Frage wurde schon von vielen vor uns erörtert, die sich mitten im „Fortschritt“ ihrer Zeit fanden.  Dennoch werden wenige von uns wieder in den unteren Klassen vergangener Zeiten leben wollen.  Zu viel Elend auf Erden (und unseren Innenstädten) verlangt weiter nach Fortschritt.  So geht es auch hier wieder um das richtige Maß und die richtige Richtung des Fortschritts – und um das der Konkurrenz-Voraus-Sein in dem nie endenden Lauf der Evolution.  Die Erfolge und die Versager im individuellen Leben und der Verlauf alter Familien oder historischer Zivilisationen und das Schicksal ihrer Menschen lehren uns etwas.

 

Was soll man im Weltraum erwarten?  

Das Erreichen einer hohen Zivilisation verlangt auf Nutzen ausgerichteten Fortschritt und die Koordination der Individuen einer Gemeinschaft.  So können zumindest die untersten zwei Ebenen der ersten zwei Spalten der Matrix auch bei anderen Weltrumzivilisationen erwartet werden.  Dieses wird desto mehr der Fall Sein, wie durch Evolution die Eigeninitiative und die Selbstverantwortlichkeit vorhanden ist oder zunimmt. 

 

Die oberste Ebene und die dritte Spalte setzt aber wieder das Vorhandensein und die Betonung von Empfindungen voraus, die wohl unserem menschlichen Leben Werte geben, aber nicht bei allen kosmischen Zivilisationen überall im Weltraum erwartet werden können.  Manchen mag auch die Entwicklung einer christlich-sozialen Ethik fehlen.  Verschiedene Kulturen im Lauf der Geschichte und an verschiedenen Plätzen zeigen diesen Mangel trotz ihres Erfolges auch schon hier auf Erden.

 

Können die Anhänger östlicher Religionen erklären, warum das umgehende Verlassen der Existenz und Eingehen in ein Nirwana das höchste Ziel aller intelligenten Wesen überall im Weltraum sein sollte und wenn nicht, warum dann hier auf Erden?

 

 

Die Frage der universalen Gültigkeit spezieller Glaubensinhalte

 

Unsere religiösen Leitgedanken:  Glauben an Gott und Nächstenliebe:

 

Nach obiger Darstellung kann bei anderen Zivilisationen im Weltraum die grundsätzliche Sicht der Existenz in Begründung auf eine transzendentale Kraft auch erwartet werden.  Diese Annahme einer transzendentalen schöpferischen Kraft kann sogar ein absolut rationaler Schluss selbst unter Wissenschaftlern [4] hier auf Erden sein (je nach Bedeutung des Begriffes „transzendental“).   Dieselbe Annahme kann aber von religiösen Menschen auf Erden als „Glaube an Gott“ bezeichnet werden (bei denen die Bedeutung von „transzendental“ oft immer noch recht vermenschlicht ist). 

 

Die Unterschiede treten hervor, wenn man die speziellen Vorstellungen von dieser ur-schöpferischen Kraft „X“, von Gott, betrachtet.  Im traditionell-christlichen Glauben ist diese Vorstellung vermenschlicht und in emotionaler Sicht einem liebenden, weiterwirkenden, persönlich ansprechbaren Vater gleichgesetzt.  Beobachtung zeigt aber die Darwin’schen Kräfte in der biologischen Evolution als ohne jegliches Mitleid, Gerechtigkeit oder Fairness wirkend.  Sie wirken auch noch stark in die menschliche Existenzphase hinein, wie all die Kriege der Geschichte und die täglichen Beobachtungen des Schicksals zeigen.  So erscheint die Vorstellung Gottes als eines stets „liebenden Vaters“ als nicht haltbar.  Die Annahme eines Weiterwirkens Gottes kann, wie weiter oben im Einzelnen dargestellt, auch nicht vertreten werden.  Schließlich muß man auch die gewaltsamen Zerstörungen in der Natur, die willkürlichen Auslöschungen und die schließlich zu erwartende, totale Auflösung aller Strukturen im Kosmos berücksichtigen.

 

Dazu kommt, daß – von der Beobachtung des großartigen Weltraums mit seinen vielfältigen Phänomenen ausgehend – die Vorstellung Gottes viel gewaltiger und abstrakt-unfassbarer sein muß, vielleicht auch viel-dimensionaler, als uns Menschen verständlich (siehe oben) und  als in menschlichen Bildern darstellbar.  So kann man also von einer sehr hochentwickelten Weltraumzivilisation auch nur eine derart sehr abstrakt-unfaßbare Vorstellung der Urkraft oder Glaube an „Gotte“ erwarten. 

 

Der „Glaube an Gott“ ist so nur Schöpfungs-erklärend.  Der glaube an einen „nur“ schöpfenden Gott hat aber keine Aussage, die als Leitgedanke des Verhaltens gelten kann, außer wenn man von der Beobachtung der Schöpfung ausgeht und davon eine sinngebende und anleitende Rolle für die eigene Zivilisation und das eigene Leben ableitet, wie oben dargestellt. 

 

Und wie wird es dann mit der Nächstenliebe bei anderen Zivilisationen im Weltraum stehen?  Das Entstehen von Zivilisationen und deren technische Leistungen setzt die Kooperation der Individuen mit anderen Individuen und die Kohärenz der Gemeinschaft voraus.  So sollte man auch dort die bei uns menschlich-emotional als „Nächstenliebe“ bezeichnete Zuwendung zu einander erwarten können.  Nur mag bei den nicht mit Emotionen begabten Weltraumzivilisationen die menschlich-emotionale Komponente der „Liebe“ fehlen und lediglich eine evolutionär ausgewählte, genetisch vorgegebene Einsatzbereitschaft für die Gemeinschaft vorliegen, wie bei Bienen und Ameisen.

 

Dabei muß wieder darauf hingewiesen werden, daß die Nächstenliebe sehr wohl ihre Grenzen finden kann, wenn man den Nutzen für die Gemeinschaft betont, wie schon vorher im Zusammenhang mit den Problemen eines übertriebenen Sozialismus diskutiert.  

 

Wie steht es aber, wenn in einer Zivilisation auf einem Planeten im Weltraum wohl die „Nächstenliebe“ als einziger oder wichtigster Leitgedanke gilt, aber daraus nur eine Konzentration auf den Nutzen und das Wohlempfinden der dort gerade vorherrschenden Gattung entsteht, das heißt bei uns auf Erden nur für die Menschen?  Evolution verlangt, daß Vermehrung soviel Individuen hervorbringt, daß deren Bedarf die zur Verfügung stehenden Ressourcen überschreitet.  Dadurch wird immer „marginale“ Not bestehen.  Diese Not bringt die beherrschende Gattung zur Veranlassung, jede andere Gattung entweder als Nahrungsmittel, als Baumaterial oder als Verzierung auszubeuten.  Ist eine derartige „Nächstenliebe“ nur für die Wesen der eigenen Art wirklich alles, was als Leitgedanke für alle führenden Gattungen in der Gesamtschöpfung des Weltraums übrig bleibt?

 

Bei noch engerer Gestaltung dieses Gedankens wäre das ein Gebot der Nächstenliebe nur für Menschen der eigenen ethnischen Gruppe oder Rasse – mit entsprechend bösen Konsequenzen, wie laufend zu beobachten.  

 

Was kann über die Nächstenliebe hinaus gelten?  Wie wäre es mit Leitgedanken, die der Außergewöhnlichkeit und den besonderen Möglichkeiten der Hochzivilisationen im evolutionären Ablauf der Schöpfung entsprechen?  Hierzu könnte gehören:

 

o       Entfaltung der Zivilisationen und ihrer Leitwerte nach ihren besten und besonderen Fähigkeiten

o       Entfaltung aller Individuen in jenen Zivilisationen nach ihren individuell besten und besonderen Fähigkeiten und Leitwerten

o       Schutz und Hilfe für Lebewesen, die nicht zur eigenen Gattung gehören (etwa auch der grausamen Raubtiere, Mücken und Parasiten??  Wer entscheidet in Grauzonen der Bewertung?)

o       Gestaltung (oder Erhaltung) des zugänglichen Lebensraumes

 

Daraus ergeben sich grundsätzliche Rechte, aber vor allem auch Verpflichtungen für Individuen und die Gemeinschaft.

 

Hier läge ein sich nicht nur Einfügen in die Existenz, sondern Mitwirken an den großartigen Möglichkeiten der sich weiter entfaltenden Schöpfung und damit auch Sinn finden für die eigene Existenz. 

 

Vielleicht sind ja die bewußten, denkenden und empfindenden Individuen der hochentwickelten Weltraumzivilisationen die einzigen nach eigenen Vorstellungen und eigenen Bewertungen „weiterwirkenden“ Kräfte in der Schöpfung! 

 

Welche Möglichkeit und welche Verantwortung läge darin?!!  Wie würde das ausdrücken, daß das hochentwickelte und mit besonderen Möglichkeiten ausgestattete Wesen Verantwortung für seine Sonderstellung in der Schöpfung übernimmt?!!

 

Man kann hoffen, daß derartige Leitgedanken bei anderen Weltraumzivilisationen zu finden sind  -  und vielleicht mehr?

 

 

Unsere Vorstellung von der Sündigkeit des Menschen, der Erbsünde:

 

Der Begriff „Sünde“ im christlichen Denken schließt Vergehen in allen Ausdrücken des Menschseins in „Gedanken, Worten und Werken“ und auch alle Unterlassungen ein.  Dabei bezieht sich „Sünde“ auf das, was man Anderen antut oder an deren Unterstützung unterläßt. 

 

Dem Begriff der „Sünde“ steht der Begriff der „Schuld“ sehr nahe.  In Anbetracht der Vielschichtigkeit unseres Lebens und der mehrdimensionalen Widersprüche der Anforderungen (siehe weiter oben aufgeführte Matrix) gibt es kein über alle Lebensjahre hin christlich-moralisch perfektes, schuldfreies Individuum, zumal Kompromisse zwischen Nächstenliebe und dem Wunsch zu eigener Entfaltung oder Teilnahme an Kulturellem im christlichen Denken nicht gefunden werden können. 

 

Gerade der Widerspruch zwischen Nächstenliebe und eigener Lebensentfaltung oder der notwendigen Fürsorge für die eigene Familie oder Gruppe verhindert das karitative Herunterteilen aller Mittel auf das Niveau der geringsten Mitmenschen herab.  Eine Lösung dieses Problems ist auch in der christlichen Theologie nicht erreicht worden, obwohl doch die natürliche Evolution und die Entwicklung der menschlichen Zivilisation offensichtlich die persönliche Lebensentfaltung verlangen.  Selbst die katholische Kirche gestattet den Kirchenfürsten in Mitten allen Leidens der Welt einen sehr gehobenen Lebensstil (gipfelnd im Vatikan).  Die Kommunisten gestatteten dasselbe ihren leitenden Kadern.  Die Voraussetzung für den Wohlstand und die Freiheit unserer modernen Gesellschaft liegt im Anreiz für den Vorteil des wirkenden Individuums und bringt damit die Ungleichheiten.  Ist das dann Sünde?  Weil sich dieses Problem aus der wohl durch die Evolution schöpfungsgewollten Natur des Menschen ergibt, ist das dann Erbsünde?

 

Wie in einem vorherigen Abschnitt dargestellt, werden andere Weltraumzivilisationen ihre individuellen Unzulänglichkeiten auch als in ihrer „hardware“ und „software“ begründet sehen, wie bei uns auf Erden in den neurophysiologischen, biochemischen oder psychologischen Variationen.  Die „Freiheit des Willens“, einen dennoch nach Werten orientierten Weg zu gehen, werden daher auch sie als eingeschränkt sehen.  Aber werden sie das als „Sünde“ sehen?  Und wie wird es bei ihnen mit dem Finden von Kompromissen zwischen widersprüchlichen Anforderungen vor sich gehen?

 

Naturwissenschaftlich nicht begründet ist die Fixierung der Menschheit auf Erden je nach ihrer speziellen Philosophie oder Religion auf jeweils ein einziges Problem des Lebens – bei den Christen auf die moralische Mangelhaftigkeit des Menschen, seine Sünde – bei den Buddhisten auf das Leid im Leben, deswegen man lieber auf alles verzichtet.  Das moderne, westliche Denken stellt dagegen die vielseitigen Chancen des Menschen in den Vordergrund und die „unbegrenzten“ Möglichkeiten jedes Individuums, sich in vielen Dimensionen zu entfalten.  Auf jeden Fall wird in unserer modernen Welt auf Erden nicht mehr Sünde, Schuld oder Leid – selbst nicht Mitleid – als das Zentrale Thema der persönlichen Lebensführung gesehen. 

 

Somit kann man bei anderen Weltraumzivilisationen den Begriff der Erbsünde oder der grundsätzlichen Schuldigkeit jedes Individuums überhaupt nicht oder zum Mindesten nicht in derartiger Formulierung als zentrales Thema der Existenz erwarten.

 

 

Die Hauptaufgabe des Lebens  und damit „Sinn“ des Lebens für den Menschen ist die Bewährung zwischen „Gut“ und „Böse“ im Sinne der christlichen Ethik.

 

Auch diese Sicht kann man, nach dem im vorherigen Abschnitt Gesagten, bei anderen Weltraumzivilisationen in dieser Exklusivität der Betonung nicht erwarten, genau so wenig, wie die Buddhistische Fixierung auf das Entkommen vom Leid.  Natürlich geht es (siehe Matrix der Zielsetzungen weiter oben) für jedes Lebewesen um das Überleben, die grundsätzlichen Bedürfnisse, die Vermehrung, die Fürsorge für die Nächsten und den Kontakt mit Anderen.  Darüber hinaus verlangt aber die dynamische Sicht der Existenz in der Verflochtenheit aller Phänomene eine Betonung der Entwicklung und der aktiven, verantwortlichen Wirkung in der gesamten Umwelt, wie ebenfalls weiter oben dargestellt.  Daß es dabei auch das Kriterium von „akzeptabel“ oder „nicht akzeptabel“, von „richtig“ und „falsch“ und in diesem Sinne auch „gut“ oder „schlecht“ gibt, muß überall angenommen werden.

 

In einer Konvergenz mit dem christlichen Glauben kann man hier auf die Parabel von dem Wuchern mit dem gegebenen Pfund hinweisen (Math. 25, 14-30).  Man muss aber auch sehen, daß die Bibel eine Dynamik der Existenz nicht kannte.

 

 

Jüngstes Gericht und Ewiges Leben:

 

In der christlichen Theologie (und auch im Islam) ist – neben dem Glauben an Gott – der Kernbaustein eines kohärenten Glaubensgebäudes der Glaube an ein Jüngstes Gericht und ein darauf folgendes, ausgleichendes Jenseits.  Das verlangt die bewußte Weiterexistenz der Seele oder einer anderen Grundsubstanz der Geistigkeit und Empfindsamkeit des individuellen Seins.

 

Was ist nun aber das Bewusstsein oder die Seele des Menschen, die weiterexistieren könnte?  „Seele“ ist ein schwer zu handhabender Begriff in der Wissenschaft.  Frühere Psychologen fanden sich noch leicht damit ab, aber Neuro-Physiologie und Kognitive Psychologie sehen Schwierigkeiten mit diesem Begriff.  Im christlichen Glauben ist die Seele eine Essenz unserer Persönlichen Existenz, mit allem, was unsere Persönlichkeit ausmacht, vielleicht auch mit unseren geistigen Fähigkeiten, wie ein spiritueller Humunculus. 

 

Physiologisch gesehen sieht das etwas anders aus.  Wie in einer anderen Schrift dargestellt (siehe den Aufsatz „Creative Thought“, H. Schwab, 1994), ist das „Bewußtsein“ des Menschen ein virtuelles Phänomen, das sich lediglich aus der Erinnerung von vorangehenden Wahrnehmungen und eigenen Gedanken sowie deren vielfältiger Aufrufbarkeit (Adressierbarkeit) ergibt. [5]  Mit anderen Worten, je besser und weiter zurück reichender dieses Erinnerungsvermögen und je komplizierter die Verknüpfungen und die Aufrufbarkeit vergangener Gedanken und Empfindungen ist, desto ausgeprägter ist das empfundene individuelle Bewußtsein – das aber in geringerem Maße schon bei mancherlei Tieren vorhanden ist.    

 

Somit verlangt die Erhaltung des Bewußtseins einer etwa weiterexistierenden Seele die Erhaltung von deren Gedächtnis.  Die Erhaltung von derartigen Fähigkeiten wie Gedächtnis oder Bewußtsein ohne tragende Neuronenstruktur oder Energiezufuhr ist aber aus der Beobachtung der Natur nicht ableitbar.  Man braucht nur zu beobachten, wie die Einengung des Blutkreislaufes oder neurologische Veränderungen zu partiellem Verlieren von Persönlichkeit und eigenem Bewußtsein führen.

 

Die etwa im Jenseits weiterexistierende Seele des Menschen muß, um eine ausgleichende Gerechtigkeit wahrnehmen zu können, mit den Empfindungen von Schuld oder Erlösung, mit daraus sich ergebendem Leid oder Freude, letztlich damit auch mit dem Charakter oder der Persönlichkeit des verstorbenen Individuums verbunden sein.  Wie weiter oben angedeutet und in einer anderen Schrift gezeigt (siehe „Personality“, H. Schwab, 2002), beruhen Empfindungen und „Persönlichkeit“ auf der Neurophysiologie des mittleren Hirnes und der Körperchemie.  Änderungen in diesen Bereichen bringen entsprechende Persönlichkeitsänderungen. 

 

Empfindungen und „Persönlichkeit“ unabhängig von Neurophysiologie und Körperchemie sind aus der Beobachtung der Natur nicht Ableitbar.  Unfälle, Erkrankungen, Hirnchirurgie oder der Einfluß von Drogen bestätigen dieses ebenso, wie die Verbindung von neurologischen oder biochemischen Phänomenen mit mentaler Alterung.

 

So kann der Begriff „Seele“, der sich als virtuelle Vorstellung aus Empfinden, Denken und Erinnern, also aus Funktionen des Hirns ergibt, nicht unabhängig von eben diesem Hirn gesehen werden, sondern nur als Ausdruck von dessen Vorhandensein und Funktionieren.

 

(Auf praktischer Ebene:  Man kann nicht die Essenz eines Computers erhalten, unabhängig von der Erhaltung von dessen spezieller Hardware, Speicherinhalt oder Stromversorgung)

 

Dazu kommen folgende Überlegungen für diejenigen, die an die Existenz von „Seelen“ glauben: 

Warum sollte die Schöpfung eine Sammlung sämtlicher „Seelen“ aller intelligenten Wesen für alle Zeiten wünschen, entweder im Himmel oder in der Hölle?  Müsste das nicht die Seelen von allen intelligenten Wesen von allen Zivilisationen im Universum einschließen?  Das könnt ja nicht nur von unserer unbedeutenden Erde in der Milchstraße sein.  Würde es auf Erden alle Seelen von allen, die jemals lebten und noch leben werden, einschließen?  Anfangend mit den ersten Hominiden, aber nicht ihre Vorgänger oder Vettern im Stammbaum des Lebens?  Die Menschen sind aus einer kontinuierlichen Entwicklung der Lebewesen hervorgegangen.  Ab wann die Seelen dieser Lebewesen erhaltungswürdig wurden, ist nicht zu sehen.  [6]

 

Auf Erden müssen zumindest alle menschlichen Seelen eingeschlossen sein, von den Ureinwohnern Australiens und chinesischen Fischern oder Höflingen zu den Inkas, Polynesiern und Eskimos – und nicht nur westliche Menschen der letzten 4,000 Jahre.  Warum sollte Gott alle diese Seelen auf Ewigkeit sammeln und einlagern wollen?  Die Wesen ferner Weltraumzivilisationen werden ebenfalls aus vielfachen Stadien ihrer unterschiedlichen Entwicklungen hervorgegangen sein, ob mit oder ohne der Fähigkeit der Empfindungen und ob dann mit oder ohne „Sünde“ oder „Schuld“.  Es mag auch bei ihnen Multikulturalismus geben.  Dann müssten aber auch von diesen alle Seelen erhalten werden.

 

Die Archivierung einer ständig zunehmenden, sehr großen Anzahl der Seelen jeglicher Entwicklungshöhe und von allen Weltraumzivilisationen in statischer Art auf unbestimmte Zeit – das heißt also unabhängig von der Weiterexistenz ihrer Ursprungssterne oder Planeten, die ja, wie alle Himmelskörper, früher oder später vergehen – entspricht in keiner Wese dem Verständnis der Schöpfung, das man aus der Beobachtung seiner Dynamik, aus dem Kommen immer neuer Strukturen, aber auch aus dem letztlich völligen Vergehen aller Strukturen ableitet.

 

Die Limitierung der Zahl der im Universum vorhandenen Seelen durch deren Wiederverwendung, wie von einigen Religionen angenommen, verlangt bei der Zunahme aller Bevölkerungen die ständige Schaffung neuer Seelen.  Das Wunder der Neuschaffung von Seelen sollte aber als größer gesehen werden, als das des Vergehens derselben.

 

Somit kann ein Glaube an die Weiterexistenz der Seelen in alle Ewigkeit im Jenseits bei anderen, sehr hochentwickelten Weltraumzivilisationen nicht erwartet werden.  Wenn man irgendein „am Leben Erhalten“ und die Archivierung der Seelen aller höheren Lebewesen im Weltraum nicht sieht, dann kann man auch ein „Jüngstes Gericht“ nicht erwarten.

 

In Konvergenz mit dem christlichen Glauben gibt es noch eine interessante Überlegung:  Was ist „Zeit“?  Ist „Zeit“ als Dimension der Existenz erst durch die Urschöpfung entstanden?  Kann die „Zeit“ durch den Tod wieder aufgehoben werden, das heißt der Tod ein Übergang in eine Zeitlosigkeit sein?  Jeder, der einmal die Schwelle des Sterbens überschritten hatte und die folgenden Lichtwahrnehmungen sah, hat erfahren, daß dort eine unendliche Ruhe war, die die Zeit nicht kannte.  Man kann sich dieses Erlöstwerden von der Zeit, sollte man einmal sterben müssen, nur wünschen.

 

Führt ein „gut“ gelebtes Leben zur friedlichen Erlösung in die Ruhe und ein „schlecht“ gelebtes nicht?  Kann man in großer Mitsorge für Andere und mit unerfüllten Aufgaben dennoch friedlich aus dem Leben ausscheiden?  Systematische Untersuchungen sind dazu nicht bekannt und würden wieder zu einer „quantitativen Theologie“ gehören.  Was wird man bei anderen Zivilisationen im Weltraum finden?

 

Zu bedenken ist ferner, daß wir alle irgendwelche Spuren in der Welt hinterlassen.  Unser Energiegehalt wird an unsere Umwelt übertragen und teilweise ausgestrahlt.  Durch die allen Weltraum durchquerende Strahlung könnte unser Abbild rein theoretisch noch nach Jahrtausenden von einem Superteleskop irgendwo im Weltraum wahrgenommen werden.  Unser mentaler Gehalt kann auch an die Umgebung übertragen werden.  Ein Gedanke, den wir einem anderen Menschen übermitteln, kann in diesem Menschen und über ihn hinaus ständig weiterwirken.  Haben wir so eine Existenz über unser Leben hinaus, zumindest eine Wirkung?  Und verteilt sich nicht unser materieller Gehalt im Laufe der Zeit auf neue Art in der Biosphäre der Erde und letztlich bei der astrophysikalischen Endphase unserer Sonne – erst als „Roter Riese“, dann als „Weißer Zwerg“ – über diese hinaus?  Ist der Tod also nicht ein Sich-Auflösen sondern eine Rückkehr oder Heimgehen in die Natur und das Universum – zu „Gott“?

 

Und wie steht es mit den spiritualistischen Phänomenen, von ESP bis Futurologie, „Drittem Gesicht“ und der Erscheinung des spirituellen „Abschied-Nehmens“ von in der Ferne Verstorbenen?  Die ersten drei, wenn nicht auf Einbildung beruhend, haben nichts mit der Weiterexistenz der Seelen zu tun.  Letzteres wohl auch nicht, da es eher ein gegenwärtiges ESP-Phänomen ist, wie die Telepathie.  Alles Andere kann zu leicht als Einbildung gesehen werden.

 

In Summe kann man also nicht annehmen, daß andere Weltraumzivilisationen an ein Weiterbestehen ihrer Seelen im „Jenseits“ glauben können und daher, wie vorher gezeigt, auch nicht an ein „Jüngstes Gericht“.  Wenn sie es dennoch tun, wäre die Begründung eines solchen Glaubens wohl die wichtigste Information, die wir aus dem Weltraum erfahren könnten.

 

Es gibt noch eine Betrachtung, die fast zu einer Konvergenz mit der religiösen Vorstellung von der „Seele“ führt:

Woraus bestehen wir eigentlich?  Wir sind ein materieller, lebender Körper mit gewissen mentalen Fähigkeiten, die – unter anderem – unsere Persönlichkeit ausdrücken.  Es ist bekannt, daß die Zellen unseres Körpers nur eine begrenzte Lebensdauer haben und dann von neuen ersetzt werden – am leichtesten bei der Haut zu sehen.  Es ist auch bekannt, daß der Stoffwechsel innerhalb der Zellen die ständige Aufnahme neuen Materials verlangt und zur Ausscheidung von Abfallmaterial führt.  Im Ganzen kann man ausrechnen, innerhalb welcher Zeit der größte Teil des materiellen Inhalts unseres Körpers durch neues Material ersetzt wird.  Wir sind dabei aber immer dieselbe Person.  Diese Betrachtung zeigt, daß wir – unsere persönliche, individuelle Essenz – nicht die Ansammlung unseres materiellen Inhalts sind – der kommt und vergeht – sondern die Form oder Struktur, die dieser in uns annimmt – einschließlich der Formierung unseres Hirnes und Gedächtnisinhalts.  Mit anderen Worten, die Essenz unserer individuellen Persönlichkeit ist etwas sehr abstraktes – nur Form und Struktur – die sich ebenfalls im Laufe der Zeit verändern.   Darüber hinaus gilt die Überlegung, die am Anfang dieses Aufsatzes dargestellt wurde, daß alles Materielle – aus subatomaren Elementarteilchen zusammengesetzt, die man als Energie-„Strings“ verstehen kann – nur eine Ansammlung von Feldeffekten ist – was immer Felder sind – im Vakuum, im Nichts.  [7]       

 

 

Erlösung ist nur durch den Opfertod Christi möglich geworden, Gottes eingeborenen Sohnes, einer Offenbarung der Trinität:

 

Hier liegt eine Verbindung mehrerer Glaubensvorstellungen vor – Erlösung, Opfertod Christi, Christus als eingeborner Sohn Gottes und die Trinität.

 

Erlösung:

Hoffnung auf eine bessere Zukunft durch einen „Lichtbringer“, besseren Fürsten oder Messias gibt es mehrfach in den Kulturen der Welt.  Dieses ergibt sich wohl aus der Verbindung eines elenden Zustandes in der Gegenwart mit der Erfahrung, daß irgendwann einmal ein großer Anführer wesentliche Verbesserung brachte.  Im christlichen Glauben bezieht sich die Erlösung speziell auf die Befreiung von der Schuld vor Gottes Urteil anläßlich des Jüngsten Gerichtes (verursacht durch die Erbsünde und allgemeine Sündigkeit der Menschen), denn alle Menschen sind verloren (da sündig), wenn nicht „erlöst“.

 

Wie oben gezeigt, ist die Vorstellung der „Erlösung“ aus kosmischer Sicht nicht nachvollziehbar.  Es bleibt aber die Hoffnung jedes Menschen auf ein in persönlicher Entwicklung, Dienst am Nächsten und der Gesellschaft und Freude an Gottes Schöpfung erfülltes Leben – und die Hoffnung auf einen friedlichen Tod.  Was vor allem bleibt, ist die Verantwortung für das eigene Vollbringen im Rahmen der Möglichkeiten – oder die Annahme des eigenen Schicksals.

 

Opfertod Christi:

Im christlichen Glauben ist der Opfertod Christi am Kreuz das Grundelement der Erlösung.  Dieser fand ungefähr 15,000 Jahre nach dem Erscheinen der Chromagnon Rasse der Menschheit statt, 4,000 Jahre nach dem Erscheinen ausgebildeter Kulturen und erst 500 bis 700 Jahre nachdem diese Kulturen die Reife des Denkens erreicht hatten, um verfeinerte philosophische oder religiöse Auffassungen der Existenz zu entwickeln, von den chinesischen Philosophien bis zu Buddha, Zarathustra oder frühen westlichen Denkern.   

 

Die Notwendigkeit des Opfertodes Christi (oder zumindest diese besondere Interpretation des Kreuzestodes Christi) ist entstanden aus einer juristisch starren Sicht vom Gesetz Gottes und dessen Konsequenzen beim Jüngsten Gericht.  Diese Vorstellung schließt offensichtlich jede Begnadigung durch Gott oder Freiheit Gottes im Urteilsspruch aus.  Gott wird also nicht als „liebender Vater“ gesehen, was im Widerspruch zu Christi eigener Lehre von Liebe und Vergeben steht.  Statt dessen gestattet diese Vorstellung vom Opfertod Christi aber die Substitution der notwendigen individuellen Strafe durch das Leid eines Anderen, in diesem Falle Christi, des Gottes-Sohnes selber – durch die Trinitätsvorstellung also Gottes selber.

 

Dieses Verständnis des Todes Christi ist aus obiger Sicht nicht haltbar.  Es gibt eine andere Art, die Bibel zu verstehen.  Christus musste die Auseinandersetzung mit der starren Hierarchie einer Religion, die er im Wesentlichen für richtig, aber in ihrer Interpretation für irregeleitet hielt, auf sich nehmen.  Christus hat die Auseinandersetzung mit der Obrigkeit in Jerusalem und damit seinen Tot auf sich genommen, um damit seiner Lehre und seinen Nachfolgern Kraft zu geben.  Dadurch wurden wir alle von der Enge altjüdischer Gesetzesbefolgung, der antiken Heldenverehrung und dem einsetzenden mittelständischen Drängen nach Geld und Macht befreit.  Darin war Christi Tot ein „Opfertod“, der uns „erlöste“ (siehe die Kurzgeschichte „Jesus von Nazareth“ von H. Schwab). 

 

Diese Interpretation befreit uns von einem Verständnis Gottes als seines absolut juristisch-inflexiblen Herrschers der Existenz.  Gott erscheint nicht im Kosmos als ein Buchhalter der Sünde.  Gott brauchte nicht das Opfer Christi, um uns unsere Sünden zu vergeben.  Wir brauchten einen Anführer von der Stärke und Opferbereitschaft Christi, um unseren Glauben an höhere Werte aufzubauen und einen menschlich wertvolleren Weg zu gehen. 

 

Wenn man nicht an Gottes Eingreifen in weltliche Ereignisse glaubt, dann würde Christi Opfertod nicht als vorherbestimmt erscheinen.  Was wäre, wenn der Plan der Priester von Jerusalem, Christus zu töten, nicht erfolgreich gewesen wäre – wenn Christus einfach davon gegangen, entkommen oder von Pilatus als unschuldig erklärt worden wäre?  Wäre dadurch Christi Mission für unser Leben und unsere heutige Gesellschaft weniger wichtig geworden?  Wahrscheinlich nicht.  Buddha Und Mohamed lebten bis zu einem hohen Alter und konnten dadurch detaillierte Philosophien oder Religionen entwickeln.  Christi Morallehre und seine Sicht eines Jüngsten Gerichtes und eines Lebens nach dem Tode könnten dennoch bestanden haben und für die Nachwelt bedeutend geworden sein, auch ohne seinen Opfertod.

 

 

„Sohn Gottes“ :

Daß Götter auf Erden erschienen sind oder Kinder von irdischen Frauen hatten, kam schon früher in anderen Religionen vor.  Ebenso war es weit verbreitet, daß sich große Herrscher als Söhne der Götter bezeichneten.  Das galt für Pharaonen (Ramses = Ra-Moses = Sohn des Ra) und für Alexander den Großen, der sich von einem ägyptischen Orakel in der Wüste als Sohn des Zeus bestätigen ließ.  Das galt auch für jüdische Könige des alten Testamentes, die mit dem Titel „Sohn Gottes“ bezeichnet wurden, so daß dieses ein Königstitel wurde. 

 

Bei der Menschlichkeit der Gottesvorstellungen jener Zeit ist somit die „Göttlichkeit“ hochgestellter Menschen eher verständlich.  So ist es verständlich, daß Christus von den Menschen seiner Zeit nicht nur Messias-königlich, sondern auch „göttlich“ gesehen wurde.  Christus lehrte nun aber, daß alle Menschen Gott als Vater sehen sollten (das „Vater-unser“). So bezeichnen sich alle Christen als „Gottes Kinder“.  Es ist aber nicht üblich, daß sich ein Christ als „Gottes Sohn“ oder „Gottes Tochter“ bezeichnet.  Die Theologie hat sich auch da verheddert und nur durch das Konzept der Trinität einen Ausweg gesucht, die Christus zu einem besonderen Sohn und Teil Gottes erhebt.

 

Bei einer abstrakten Sicht der großartigen Urkraft der Schöpfung kann man den menschlich-biologischen Begriff des „Sohn Gottes“ für Christus nicht nachvollziehen.

 

Trinität

Heidnische Götter hatten in der antiken Welt öfter eine Vielzahl von Rollen.  So wurden sie in solchen Fällen auch jeweils mit verschiedenen Attributen oder in verschiedener Bildhaftigkeit dargestellt.  Das führte aber nur selten zu der konsequenten Darstellung einer „Viel-Einigkeit“, wie sie erst von den griechisch geschulten, christlichen Denkern für die Trinität als schwer erklärbar aber konsequent-notwendig gefunden wurde (denn sie konnten Christus nicht identisch mit Gott sehen – als ob Gott selber 33 Jahre lang auf Erden als Mensch gewandelt habe – wollten Christus aber dennoch als Teil Gottes über das Allgemein-Menschliche erhoben sehen und dazu den Glauben an nur „einen“ Gott, den Monotheismus, bewahren).

 

Mit einer abstrakten Sicht der großartigen Urkraft der Schöpfung ist der Begriff der Trinität nicht vereinbar.

 

 

Wie mag Christus selbst unsere heutigen Glaubensinhalte gesehen haben? 

 

Die Evangelien sind spätere Aufschreibungen, die in ihrer Anordnung und auch in ihrem Inhalt bereits die Sammler der Information und möglicherweise die Auslegungen und Akzente der christlichen Gemeinden ihrer Zeit reflektieren (siehe die Johannes und Thomas Evangelien).  Wie hätte wohl ein Mensch unserer Zeit, der mit Christus gewandert wäre, ihn und sein Schicksal beschrieben (siehe die Darstellung „Jesus von Nazareth“, H. Schwab, 1996)?

 

Christus spricht nicht von einer Gott-Gleichheit seiner Person.  Er spricht von Gott als seinem Vater, wie er es allen Menschen empfiehlt (siehe „Vater-unser“-Gebet), sieht darin aber wohl eine besonders enge Verbindung für sich selbst.  So ermahnt er seine Jünger, daß auch sie größere Wunder tun könnten, wie er selbst, wenn ihr Glaube stärker wäre.  Christus fragt auch seine Jünger, was die Menschen von ihm sagen und erhält dabei die Antwort, er sei der „Sohn Gottes“.  Dieses muß man linguistisch und aus der Zeit heraus verstehen, wie vorher schon aufgezeigt, als eine allgemeine Bezeichnung großer Herrscher, einschließlich der jüdischen Könige der Vergangenheit.  Christus hat selber diese Bezeichnung nie als seinen Titel herausgekehrt, wurde allerdings am Kreuz als „König der Juden“ verspottet, was auf die Nutzung der „Sohn Gottes“-Bezeichnung unter seinen Anhängern hindeutet.

 

Im „Glauben“ an Christus wurde die Erlösung verhießen.  Das heißt wohl im Glauben an die Gültigkeit seiner Lehre und damit in der Nachfolge Christi.  Nur in der konsequenten Einhaltung seiner Lehre, dem Nicht-Aufgeben, dem selbst den Tod Hinnehmen konnten die Anhänger Christi ihren Glauben behalten. 

 

Christus selbst hat seinen Kreuzestod als sein Opfer für die Gläubigen, nicht aber als Kernstück der Erlösung anlässlich des Jüngsten Gerichtes dargestellt.  Christus sah (seit der Erscheinung auf dem Berg von Moses und Elias) die Notwendigkeit, nicht nur in Galiläa zu predigen, sondern sich der Auseinandersetzung mit seinen Gegnern in Jerusalem zu stellen  Diese waren die Anführer der etablierten, starren und machtbewußten Hierarchie seiner Religion, an die er grundsätzlich selber glaubte, die er aber in ihrem Formalismus und ihrer Menschenferne als irregeleitet ansah.  Da diese Konfrontation auch seinen Jüngern bevorstand, mußte Christus sie als erster und vorbildlich auf sich nehmen und mit seinem Opfer die Haltbarkeit seiner Lehre ermöglichen. So wurde Christi Tod ein notwendiges Opfer zum Erhalt seiner Lehre, damit des christlichen Glaubens und damit unserer Erlösung vom Irrweg der alten Lehre und der falschen Werte.  Dieses ist eine Erlösung der Menschen von sich selbst und eine befreite Hinwendung auf eine Gottes- und Schöpfungssicht höherer Dimension.

 

Es besteht kein Zweifel, daß der Glaube an ein Jüngstes Gericht und an Paradies oder Hölle für Christus und seine Zeit als gegeben galt.  (Dieser Glaube wurde schon von Zarathustra gelehrt und galt auch für die Juden seit der Babylonischen Gefangenschaft, wo sie mit östlichen Lehren verstärkt in Berührung kamen).

 

Christus hat sich auf seine grundsätzliche Lehre für die Juden seiner Zeit konzentriert, sich eher wie ein Reformator sehend, und hat keine ausgeklügelte, systematische Theologie entwickelt – in dem Sinne auch keine Dogmen oder Rituale.  Das Wesentliche des christlichen „Glaubens“ war die Nachfolge Christi.  Die Kernstücke dieses Glaubens waren:

 

So entstanden völlig neue „Werte“ für das Menschsein und die Gesellschaft [8]. 

 

 

Umweltprobleme gab es zu Christi Zeiten nicht – und eine Kenntnis der Evolution oder des Weltraumes auch nicht. 

 

Sollte man nicht erwarten, daß jede Weltraumzivilisation, die durch eine Evolution aus primitiverem Sein entstand, zu irgend einer Zeit auch eine Lehre wie die von Christus vermittelte benötigte (den man somit zurecht in der alten Symbolsprache als Erlöser sehen kann), um zur Höhe des Potentials hochzivilisierter und hochkultureller Existenz zu gelangen, wo und wann auch immer dieses im Kosmos gewesen sein mag?

 



[1]  Die Frage erhebt sich, wie weit in die Zukunft man ein solches Interesse zukünftiger Generationen mit einbeziehen müßte.  Kann man das Interesse zukünftiger Generationen in der Zeit diskontieren?  Wird zukünftige Technologie leicht das Ersetzen jetzt knapper Ressourcen ermöglichen – wie Erdöl, Mineralien oder Wasser?

[2] Gelegentlich ist dieses auch eine Frage der Schriftforschung, siehe Aufdeckung der Urheberschaft des 5. Buches Moses (Deutoronomium) durch De Wette, Cross und Friedman als nicht von Moses, sondern von Jeremiah aus der Zeit Josiahs um 622 B.C. stammend und dessen eigene neue Ordnung und Gesetze einführend.    

[3]  Wenn man ein Modell bauen würde, in dem die Sonne nur 5 cm Durchmesser hätte, wäre die Erde ungefähr 5 m von der Sonne entfernt und hätte weniger als einen halben Millimeter Durchmesser.  Entsprechend klein und verstreut wären die anderen Planeten im leeren Raum.  Das nächste Sonnensystem zu unserem wäre ungefähr 750 Kilometer entfernt.  Dazwischen wäre alles nur Leere, sogar hier im Bereich einer Galaxie, unserer Milchstraße. 

     Zwischen den entsprechend weit verteilten Galaxien herrscht wieder ausgedehnte Leere.  Die Galaxien sind im Weltraum verteilt, wie ein Schwamm.  Es gibt Ansammlungen von Galaxien in Haufen, aber auch entlang vielen Bändern oder am Rande von riesigen Blasen im Raum, die fast nichts enthalten.  Alles dieses muß man sich in langsamer Bewegung vorstellen auf Grund der fortschreitenden, weiteren Ausdehnung unseres Universums, der Gravitationswirkungen und anderer Ursachen für die Bewegung der Galaxien, was auch gelegentlich zu Zusammenstössen derselben führt.  Es wird erwartet, daß unser Galaxie, die Milchstraße, in einigen Milliarden Jahren mit der Galaxie, die Andromeda Nebel genannt wird, zusammenstoßen wird, wie sie wohl schon mit anderen, kleineren Galaxien zusammengestoßen ist (siehe den Sterngürtel um die Milchstraße).    

[4]  Siehe die Sammlung von Aussagen in der Welt führender Wissenschaftler im Buch „Cosmos, Bios, Ethos“, herausgegeben von Morgenau und Verghese, Open Court Publishing Company, ISBN 0-8126-9186-5

[5]  Die menschliche Fähigkeit für „Bewußtsein“ (Definition: Wahrnehmung des eigenen Seins, der Umwelt und des eigenen Denkens) wird als die mysteriöseste und vielleicht auch wichtigste menschliche Fähigkeit angesehen. 

     Jeder Hund weiß genau, wo er sich zu kratzen hat, wenn es juckt, dadurch ein Bewußtsein seiner selbst beweisend.  Jeder Hund, der nach Futter am richtigen Platz sucht – oder jeder Wolf, der eine gültige Strategie zum Erjagen seiner Beute entwickelt – zeigt Bewußtsein der ihn umgebenden Welt und die Fähigkeit, diesbezüglich zu denken – auch erkennbar bei schlafenden Hunden, die träumen.  Es gibt zwischen den verschiedenen Stufen der Komplexität der Existenz keine scharfe Abgrenzung zwischen keinerlei Fähigkeit zu Bewußtsein und vollem Bewußtsein – zwischen fortgeschrittenen Maschinen, Tieren oder Menschen.  Da sind nur quantitative Unterschiede.  Bewußtsein auf jeder Ebene ist ein virtuelles Phänomen, das von der Erinnerung früherer Wahrnehmungen – einem Vorläufer des Bewußtseins – verbunden mit Erinnerung an vorherige Gedanken, Gedankenverarbeitung und der komplexen, vielfältigen Aufrufbarkeit des Erinnerten herrührt – einschließlich von deren Bewertung und der Beurteilung von Konsequenzen – selbst wenn so nur in die jeweilige Maschine oder Menschen hineinprogrammiert.

     Die oft emotionale Empfindung des Bewußtseins ist nicht anders, als die emotionale Reaktion auf eine Wahrnehmung – z. B. ein Kunstwerk – oder eine nur gedankliche Vorstellung.  Diese emotionale Reaktion tritt nur auf, wenn man über das Bewußtsein nachdenkt, wie sie auch auftritt, wenn man über manch anderes nachdenkt.

    Was von der Essenz des Bewußtsein bleibt, ist die Einzigartigkeit der tierischen und menschlichen Fähigkeit zum Denken, geistige Vorstellungen im Ablauf des Denkens zu haben, wie eine andere Realität, aber eine virtuelle – und die Fähigkeit, solche Vorstellungen des Denkens erinnern zu können.

    Weitere neurophysiologische Erklärungen des Denkens finden sich in den Aufsätzen „Creative Thought“ und „Mental Creativity“ von H. Schwab.     

[6]   Siehe die bedeutende Forschung, die von Jane Goodall über Schimpansen durchgeführt wurde und die bewies, daß diese Lebewesen sehr viel von dem haben, was wir als Seele bezeichnen.

[7]  Was dominiert nun, die materielle Grundlage oder die Form und Struktur unserer Essenz?  Offensichtlich ist es die abstrakte Essenz, die Form und Struktur, da jedes materielle Teil von uns ersetzt werden kann und wir doch dieselbe Person bleiben. 

     Aber was würde geschehen, wenn wir unsere materielle Basis rekonstruieren könnten, Atom für Atom, mit genau der gleichen Form und Struktur, wie wir sie zu irgendeinem Zeitpunkt haben?  Wären das auch wir selber, mit demselben Geist und Gedächtnis  - da beide ja hirnabhängig sind?  Könnten wir dann eine der beiden Kopien eliminieren und genau wie vorher weiterleben, da die überlebende Kopie ja nicht vom Vergehen der anderen wissen würde?  Würde das beweisen, daß unser materieller Gehalt dominiert?

[8]  In einer historischen Klarstellung muß man sagen, daß die Entwicklung des ethischen Denkens der Menschen auf „Nächstenliebe“ zu und die Formulierung entsprechender moralischer Leitwerte auf frühere Zeiten zurückgeht.  So hat sich wohl als erster König Urukagina (auch Uru’inimgina genannt) ungefähr 2,300 B.C., 600 Jahre vor Hammurabi, in Lagash, Mesopotamien, als Beschützer der Schwachen und Ausgenutzten in der Gesellschaft dargestellt. 

     Bald darauf haben ägyptische Schriften auf Rücksichtnahme für die Niedrigen und Schwachen in der Gesellschaft und Schutz der Waisen hingewiesen (siehe A. Erman, LAE, pp 72 und 116 ff). 

     Jeremiah (siehe eine frühere Fußnote) hat um 622 B.C. im Deutoronium diese Gedanken wiederholt und ausgebaut, siehe dort 10/18 und 24/6-22, wobei er bemerkenswerter Weise in Vers 16 den Tod eines Individuums für die Schuld eines Anderen verbietet.