2.2.            Welche Vorstellungen ergeben sich aus der Weltraumforschung für das Verständnis unserer Existenz?

 

Was ergibt sich aus der wissenschaftlichen Betrachtung und speziell nun aus der Astrophysik und Raumforschung zu den im vorigen Kapitel aufgestellten Hauptfragen nach:

§         Gott

§         Gesetz

§         Sinn des Lebens

Dazu bleibt die Frage, ob die speziellen christlichen Glaubensinhalte universale Gültigkeit haben können:

§         Die christlichen Grundgesetze:  Glauben an Gott und Nächstenliebe

 

Ferner die folgenden christlichen Vorstellungen:

§         von der Sündigkeit des Menschen, der Erbsünde

§         daß die Hauptaufgabe des Lebens und damit Plan und „Sinn“ des Lebens für den Menschen die Bewährung zwischen Gut und Böse ist

§         daß es ein Jüngstes Gericht und Jenseits geben wird

§         daß Erlösung von den Folgen der Sünde nur durch das Opfer Christi möglich geworden ist, Gottes eingeborenen Sohnes, eine der Erscheinungsformen der Trinität

§         daß Freisprechung von Sünde auf Grund des Glaubens, vielleicht auch guter Werke, vor allem aber durch die Gnade Gottes möglich ist

§         daß man Belohnung im Ewigen Leben im Himmel oder Verdammung zu ewiger Pein in der Hölle erwarten kann

 

 

Die Frage nach Gott und dem Jenseits:

 

Wie oben dargestellt, unterscheidet sich diese Frage in die Teilfragen nach

§         Dem ursprünglich schöpfenden Gott

§         Dem im Schicksal und der Evolution weiterwirkenden Gott

§         Dem persönlich anrufbaren und etwa auch helfenden Gott

§         Dem richtenden Gott und dem Weiterleben nach dem Tod

§         Der Frage nach dem Bösen, dem Leiden und Nutzlosen in der Welt

 

Der schöpfende Gott:

Ist die Frage nach einem „Gott“ aus kosmischer Sicht überhaupt gerechtfertigt?  Werden andere intelligente Wesen irgendwo im Weltraum auch nach einem Gott fragen?  Werden sie eine Antwort für ihre Frage finden können?  Aus einer Evolution entstandene, intelligente Wesen irgendwo im Weltraum, die es durch kausales Handeln zu einer Zivilisation gebracht haben, werden wegen dieses Denkens in Kausalität auch nach dem kausalen Ursprung ihrer und der Welt Existenz fragen.  Wegen der Komplexität auch ihrer Umwelt, werden auch sie fragen, wie der kombinatorische Aufbau der Welt möglich wurde.  Weil sie sich irgendwo im kosmischen Raum befinden und Sterne um sich sehen, werden sie fragen, wie denn das Vakuum Strahlung übermitteln kann.  Deswegen werden auch sie sich mit den wichtigsten und mysteriösesten Fragen konfrontiert finden:

§         Was hat die ernorme Anfangsenergie hervorgebracht, sowie die Unregelmäßigkeiten, die die spätere Struktur des Kosmos bestimmten?

§         Was hat die universal gültigen und invariablen Naturgesetze und Konstanten hervorgebracht?

§         Was hat das wichtige „kombinatorische Prinzip“ hervorgebracht, durch das kleine Naturelemente zusammengefügt werden können, um größere zu bilden, die dann völlig neuartige Eigenschaften oder Bedeutung haben? [1]

§         Warum kann das Vakuum, das Nichts, Felder beherbergen und diese Felder im Laufe der „Zeit“ weiterbewegen, fortpflanzen?

 

Man kann die Frage hinzufügen:

§         Was veranlaßte die meisterhafte Abstimmung der grundsätzlichen Zahlen, Konstanten und Gesetze der Natur, um das kombinatorische Prinzip überhaupt zu ermöglichen? [2]

 

Aus Gründen der überall im Universum geltenden physikalischen Gesetze werden auch sie nicht über den Urknall zurückforschen können. [3] Werden sie Antworten auf ihre Fragen finden können?

 

Sieht man die verschiedenen Energien, Strahlungen und Kräfte des Universums als Wirkung von Feldern im Vakuum des Raumes und auch die so dünn verteilte Materie nur als Konzentration solcher Feld-Energien (Strings) im Vakuum, so erscheint die gesamte Realität der Existenz als etwas sehr Abstraktes – eben nur als Felder, was immer das ist, im Vakuum, im Nichts. 

 

Dazu kommt die Frage nach dem Wesen der Zeit.  Die Relativitätstheorie zeigt, daß Zeit für unterschiedliche bewegte Körper im Raum unterschiedlich läuft und erst mit dem Urknall begonnen haben kann (in Schwarzen Löchern aber zum Stillstand kommt).

 

So kann der letzte Ursprung der Schöpfung von uns wie von allen anderen Weltraumzivilisationen nur als ein sehr abstraktes, großartiges Phänomen gesehen werden, das wir, weil von jenseits der physikalischen Kausalität kommend, als „transzendental“ bezeichnen, welch immer Namen ihm gegeben wird, dieses als „Großer Geist“ oder mit dem Ausdruck „Gott“, „Tao“, „Allah“ oder nur als „X“ bezeichnend.[4] 

 

Mit anderen Worten, man erkennt einen wichtigen und grundsätzlichen Unterschied der Behandlung der Frage nach Gott zwischen Theologie und Wissenschaft.  Theologie mag diskutieren, ob es Gott gibt oder nicht.  Die Wissenschaft aber erwägt, was man von der Beobachtung der Schöpfung ausgehend über die ursprüngliche Essenz aussagen kann, die die Entstehung des Universums verursacht haben mag.

 

Neu kommt von der Astrophysik nun die ganz wesentliche Erkenntnis dazu, daß das ganze Universum nur eine begrenzte Existenzdauer hat.  Alle „Sterne“ werden nach Aufbrauchen ihres nuklearen Brennstoffes – manchmal in verschiedenen Stufen – schließlich verlöschen.  Neue Galaxien und Sterne werden sich nach Aufbrauchen allen interstellaren Staubes nicht mehr bilden.  Galaxien werden möglicherweise in den „Schwarzen Löchern“ in ihren jeweiligen Zentren verschwinden.  Die Schwarzen Löcher werden (nach Hawkings Theorie) langsam zerstrahlen. [5]  So bleibt am Ende vom Kosmos nur eine sich ausbreitende, immer dünner und kälter werdende Strahlung.  Eine alternative Theorie sieht nach der Ausdehnung des Kosmos – von interstellarer Energie des Raumes beschleunigt – deren Umkehr und am Ende den totalen Kollaps des Universums.  

 

So ergibt sich ergänzend zur Frage nach der Urkraft der Schöpfung, dem schöpfenden Gott, die Frage nach der alles wieder auflösenden Kraft, dem alles auflösenden Gott – eine Frage, die auch im Zusammenhang mit den sehr großen, biologischen Auslöschungen in geologischen Zeiträumen gesehen werden muß, wie vorher beschrieben.

 

Die Theologie geht von einem „offenbarten“ Verständnis Gottes aus und konstruiert, was daraus für Folgen für die menschliche Existenz entstehen.  Die Naturwissenschaft kann und muß aber umgekehrt vorgehen.  Wir und andere Weltraumzivilisationen können fragen, was sich aus der Beobachtung des existierenden Universums eventuell über die verursachende und alles wieder auflösende Kraft „X“ oder „Gott“ aussagen läßt [6]. 

 

Dazu gehören bestimmt folgende Beobachtungen:

o       Unser Universum ist dynamisch, sich ständig in sich bewegend und verändernd

o       Ein besonderer Aspekt dieser Dynamik ist das kombinatorische Prinzip, aus dem sich die immer neue Entstehung oder Weiterentwicklung von zunehmend komplexeren Erscheinungen und immer größerer Vielfalt an einigen Stellen des Universums ergibt, an denen die Bedingungen dafür geeignet sind

o       Ein anderer Aspekt ist das ständige Vergehen, zerstört oder ausgelöscht Werden von bereits entstandenen Erscheinungen oft hoher Komplexität, oft durch Zufälle mit katastrophaler Auswirkung, schließlich durch die totale Auflösung des Universums.

o       Besonders beeindruckt die absolute Gültigkeit aller physikalischen Konstanten [7] und Naturgesetze überall und zu allen Zeiten des Universums, nach denen viele Phänomene in absoluter Gesetzmäßigkeit festgelegt sind (etwa die Bahnen der Planeten oder die Anordnung der Moleküle in einem Kristall).

o       Ebenso beeindrucken die weiten Bereiche, in denen nur chaotische oder bestenfalls statistische Verteilungen der Einzelphänomene zu finden sind (etwa das Erscheinen von Paaren von Elementarteilchen in der Quantenfluktuation oder die Heisenbergsche Unschärferelation, aber auch die Verteilung der Moleküle in einem Gas, der Sterne am Himmel oder der Bahnen der Flocken in einem Schneegestöber).

o       Damit ergibt sich für den Ablauf der einzelnen Phänomene und der Evolution im Kosmos viel Unbestimmtheit und damit viel Flexibilität und gewisse Freiheitsgrade für die Entwicklung des Universums und aller seiner Teile.

o       Diese mysteriöse Ungleichmäßigkeit der schöpferischen Essenz zwischen festgelegter Ordnung und alles offen lassender Unordnung, zwischen Entstehen und Vergehen, zeigt sich nicht nur in der physikalischen Welt, sondern auch im Ablauf der biologischen Evolution und des Schicksals jedes Wesens.  Perioden des raschen Aufbaus von Strukturen werden unterbrochen von langen Perioden der Stagnation, Auslöschungen oder großen Zerstörungen (siehe in der astronomischen, geologischen und biologischen Welt).  In der Historie der Menschheit folgen nach Zeiten des kulturell-geistigen Aufbaus zu erstaunlicher Verfeinerung plötzliche Naturkatastrophen (siehe Thera/Santorin, das durch ein vulkanisches Ereignis zerstört wurde), Pestilenzen (siehe die Pest, an der Perikles starb, und die dadurch zum Abstieg Athens beitrug), der Einbruch wilder, zerstörender Horden (siehe die Mongolen) oder geistige Verwirrungen (siehe die Hitler/Stalin/Mao/Pol Pot Ära) und Niedergang (siehe den geschichtlichen Wandel in Ägypten, Rom, bei den Maya oder im alten China).  

o       Dennoch bringt die Entwicklung im Kosmos im Laufe der Zeit durch kombinatorische Entwicklung Erscheinungen zunehmender Komplexität und Vielfalt hervor, ob als „Ziel der Schöpfung“ oder auch nur als Konsequenz der Anfangs- und jeweiligen Randbedingungen.

o       In der biologischen Natur sind viele Lebewesen (alle Viren, die meisten Bakterien, alle Tiere und alle Menschen) zu Ihrem Gedeihen auf den Verzehr oder die Vernichtung anderer Lebewesen, auch solche höherer Komplexität, angewiesen - siehe etwa die Bazillen und Viren, die von Menschen leben.

o       In der biologischen Natur führt die hohe Fortpflanzungsrate zu ständigem Kampf ums Überleben in harter Rivalität, mit hoher Sterblichkeit und – wegen statistischer Varianten bei den Lebewesen – Bevorzugung der Geeignetsten.  Damit schreitet die Evolution ständig fort. 

o       Dabei führte die fortschreitende Entwicklung der Lebewesen von passiver Existenz erst zu reflektiver Automation und schließlich zunehmend zu Eigeninitiative, Selbstbestimmung und Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für Mitwesen, Gesellschaft und Umwelt.  Bei den Menschen führt die Entwicklung weiter zur Verfolgung höherer Intellektualität und der von Emotionen geleiteten „Höheren Werte“, sowie der Freude am Schönen.

o       Alle Sterne werden einmal verlöschen, vielleicht in Schwarzen Löchern verschwinden und wieder verstrahlt werden, bis der ganze Kosmos, die ganze uns bekannte Schöpfung, sich in immer dünner und kälter werdender Strahlung im Unendlichen auflöst oder in einem Kollaps wieder auf einen Punkt zusammenzieht.

 

So ergibt sich aus der Beobachtung der Welt und des Schicksals ein sehr großartiges, abstraktes und für Menschen logisch widerspruchsvolles, moralisch unverständliches Bild von „X“, vom Gott der Schöpfung und der zu erwartenden Auflösung.  Zu diesem Gottesbild oder zu der von dieser Urkraft hervorgebrachten Schöpfung kann man aus der Beobachtung nur sagen:

o       Wenn die Schöpfung auf ständige Bewegung und Veränderung in der Zeit ausgelegt ist, muß der schöpfende Geist „X“ oder „Gott“ dieses wohl gewollt haben.

o       Wenn die Schöpfung auf ständigen Aufbau zu immer höherer Komplexität und Vielfalt von Erscheinungsformen – oft von großer Schönheit – ausgelegt ist, muß der schöpfende Geist „X“ oder „Gott“ dieses wohl gewollt haben.

o       Wenn die Schöpfung dann aber auch auf Zerstörung, Tod und schließlich  wieder völliges Vergehen der ganzen Schöpfung ausgelegt ist, muß der schöpfende Geist, „Gott“, das wohl auch gewollt haben.  Auch in einzelnen Entwicklungen führt der Aufbau nicht immer weiter und Auslöschungen in Teilen der Schöpfung erscheinen grenzenlos und willkürlich.

o       Man kann sich auf Gottes naturgesetzliche Ordnung überall und zu allen Zeiten verlassen

o       Wegen der chaotischen Zufallsverteilung und quantenmechanischen Unschärfen in weiten Gebieten der Schöpfung kann man aber nicht einen festgelegten Ablauf der Entwicklung oder des Schicksals erkennen.

o       Damit hat die Schöpfung sich selbst Freiheit der Weiterentwicklung vorbehalten.

o       Die Schöpfung hat auch den Lebewesen mit Denk- und Entscheidungsfähigkeiten – soweit diese frei verlaufen – Freiheitsgrade überlassen.

o       Die Weiterentwicklung der Schöpfung, von Erscheinungsform zu Erscheinungsform kontinuierlich, hat gelegentlich aber zu derart neuartigen Erscheinungsformen geführt, daß man sie wegen der Bedeutung ihrer Unterschiedlichkeit zu allem Vorherigen als neue Schöpfungsdimensionen oder neue Schöpfungsideen bezeichnen kann – wie die Entstehung des Lebens oder die des menschlichen Denkens, der menschlichen Werte und der menschlichen Kunstfertigkeit.  Offen ist, ob eine derartige Entwicklung wie auf Erden andernorts im Kosmos auch so, vielleicht schon früher, anders oder vielleicht sogar weiter erfolgt ist – und möglicherweise unterschiedliche „Schöpfungsideen“ dort im Weltraum zu einem anderen Gottesbild führen würden oder müssten.

o       Rückschauend von der Dimension der menschlichen Werte erscheint das biologische Lebens als grausam und ohne jegliche Gerechtigkeit, Fairness oder Mitleid – von proto-ethischen Regungen einiger höherer Tiere abgesehen

o       Vorausschauend von der Dimension des biologischen Lebens erscheint der Ausdruck und die Weiterentwicklung der speziellen menschlichen Fähigkeiten die Sonderrolle des Menschen in der Schöpfung zu ergeben.

o       Die Denkfähigkeit, aber vor allem auch die Emotionen sind dabei die besonderen Geschenke oder die besondere Last die die Schöpfung den Menschen gebracht hat

o       Diese Fähigkeiten geben dem Menschen die Möglichkeit, in das Schicksal und den Schöpfungsablauf selbständig einzugreifen.  Gibt „Gott“ damit Macht ab?  Ist „Gottes“ Macht damit eingeschränkt?  Oder läuft die Schöpfung doch nur nach ihrer Eigengesetzlichkeit weiter, dem Menschen beliebig Freiraum gebend, ihm ausgesetzt seiend.  Sind denn der Geist und die Emotionen des Menschen frei oder auch nur eine Äußerung der natürlichen Eigengesetzlichkeit der Schöpfung? [8]

o       Soweit das Denken und die Emotionsverarbeitung des Menschen frei sind, überläßt die Schöpfung den Menschen sich selbst – seiner Eigeninitiative und Selbstverantwortung für sich, die menschliche Gesellschaft und die Umwelt.

o       In wieweit man aber die menschlichen Dimensionen des Denkens und Empfindens in das Bild Gottes projizieren kann, ist offen. 

o       Man kann vielleicht sagen, daß „Gott“ alle Entwicklung im Kosmos der Naturgesetzlichkeit und dem Zufall überläßt.  Kann man aber auch sagen, daß Gott wohl nicht gegen etwas sein kann, was sich dann aus der Entwicklung der Schöpfung ergibt? 

o       Sollte man erwarten können, daß „Gott“ als Schöpfer vor allem auch alles „wahrnehmen“ kann, was sich innerhalb der Schöpfung ergibt, auch menschliche Gedanken, Empfindungen und Gebete?  

 

 

Einige weitere Beobachtungen zur Frage nach Gott:

 

Wenn man sich vom Kosmos ein Modell bauen oder vorstellen würde, in dem der sichtbare Teil unserer Galaxie, die Milchstraße, ein Scheibchen von 1 mm Durchmesser wäre, so wäre der Kosmos bei linearer (und nicht gekrümmter) Ausbreitung des Lichtes seit dem Zeitpunkt des Urknalls ein Kugel von nur ungefähr 150 m Radius.  Wenn man 1,000 Jahre einer Sekunde gleichsetzt, so ist unser Kosmos nur ein halbes Jahr alt.  Unsere Sonne wird in diesem Maßstab bereits in sechs weiteren Wochen ausgebrannt sein.  Das aufgewiesene Erlöschen und die Auflösung des Kosmos werden in diesem Maßstab schon nach einigen hundert Jahren beachtlich fortgeschritten sein.  So gesehen ist die uns bekannte Schöpfung, unser Kosmos, nicht sehr groß, nicht sehr alt und wird auch nicht sehr alt werden.  Was tut Gott außerhalb unseres Kosmos, tat vor Anfang unseres Kosmos, wird nach Ende unseres Kosmos tun? 

 

Das veranlaßt einen zu denken, daß vielleicht doch noch mehr in der Gesamtschöpfung eines vielleicht vieldimensionalen Universums entstanden sein und noch entstehen könnte.  Könnte die Gesamtschöpfung in Raum und Zeit etwa vieldimensional unendlich sein?

 

Wenn Gott aber den Kosmos lediglich nach dem einmal gegebnen Anstoß und den einmal gegebenen Gesetzen weiterlaufen läßt, was tut Gott dann die ganze Zeit?  Führt einen das zu Gedanken östlich meditativer Philosophie, des im Nur-Da-Sein Wirkens – wie die alt-chinesischen Kaiser, die untätig nur durch ihr Da-Sein wirken sollten, dem ganzen Reich, Staatsapparat und Gesetzen durch ihr Da-Sein Kraft und Leben gebend?  Oder sind da doch die ständig neuen kosmischen Schöpfungen und das Weiterwirken in jeder Einzelschöpfung, selbst wenn nur durch subtilste Ereignisse im kleinsten, statistischen Bereich mit dann großen Wirkungen?

 

Kann man all das Obige nun objektiv und allgemeingültig aussagen?  Wie werden etwa andere Zivilisationen im Weltraum über diese Dinge denken?  Da hochentwickelte Wesen woanders im Weltraum auch aus einer Evolution entstanden sein müssen (nach Abkühlung und Biotopbildung ihrer jeweiligen planetarischen Wohnstätte), so können sich auch ihre geistigen Vorstellungen erst im Laufe der Zeit entwickelt haben.  Wie in einer anderen Schrift aufgezeigt (siehe „Creative Thought“, H.S. 1994), ist die kreative Entfaltung neuer Denkvorstellungen ein kombinatorischer Vorgang im Laufe der Zeit, dem allgemeinen Prinzip der kombinatorischen Entfaltung der Schöpfung entsprechend.  So wird auch die Erkenntnis des transzendentalen Ursprungs der Existenz bei anderen Weltraumzivilisationen aus primitiveren Vorstellungen hervorgegangen sein und eine etwa vorhandene Vorstellung der kosmischen Schöpfungskraft (Gott) dieses reflektieren. 

 

In der biologischen Natur gibt es „Fehlentwicklungen“, die auf Dauer nicht überleben können, und dominierende Lebensformen, die das Hochkommen anderer Lebensformen für lange Zeit verhindern können.  Das kann auch mit philosophischen und theologischen Doktrinen so geschehen.  Irrlehren und glaubensmäßige Unterdrückungen des Weiterdenkens mag es auch bei anderen Zivilisationen im Weltraum geben, so wie bei uns auf Erden von Zeit zu Zeit. 

 

Das Bild Gottes wurde weiter oben als für uns Menschen widerspruchsvoll und unverständlich bezeichnet.  Es gibt zwei mögliche Wege, dieses zu einer Klärung zu bringen. 

o       Man kann annehmen (wie die meisten Wissenschaftler das tun), daß der schöpfende Gott die Evolution völlig der Eigengesetzlichkeit des Kosmos überläßt. 

o       Man kann auch annehmen, daß Gott von Zeit zu Zeit weiterschaffend mit neuen Ideen eingreift (siehe das Entstehen des Lebens und der menschlichen Werte) und damit neuere Phasen als in ihrem Sinn unabhängig von den älteren erscheinen läßt, diese überholend (siehe die „Intelligent Design Theory“). 

 

Das folgende Kapitel nimmt dazu Stellung.

 

 

Der in der Evolution und im Schicksal weiterwirkende Gott:

 

Um die Frage nach dem Weiterwirken Gottes in der Schöpfung unserem gewohnten Denken und Empfinden zu entziehen, sei diese Frage nun einmal aus der Sicht einer anderen Weltraumzivilisation betrachtet.

 

Wie schon vorher dargestellt, muß auch jede andere Weltraumzivilisation aus einer Evolution hervorgegangen sein.  Damit ergeben sich auch dort Fragen nach dem Verlauf dieser Evolution.

 

Kennen andere Weltraumzivilisationen auch ein „Schicksal“?  In der physikalischen Welt, auch überall im Weltraum, verlaufen viele Ereignisse nach einer zufälligen Wahrscheinlichkeit.  So werden die Wesen in anderen Weltraumzivilisationen auch ständig mit Überraschungen – günstigen und ungünstigen – konfrontiert werden.  Auch bei ihnen wird es die allgemeinen Naturphänomene wie Erdbeben und Meteoreinschläge geben.  Bei den Individuen jener Zivilisationen wird es, wie als Vorraussetzung für eine Evolution verlangt, Schwächere und Stärkere geben, sowie statistisch verteilte Begabungen, vielleicht auch Krankheiten und, wegen der Strahlung im Weltraum, Geburtsfehler.  Aus all dem ergibt sich auch bei ihnen ein jeweiliges individuelles „Schicksal“ oder ein Schicksal von Gruppen von Individuen.

 

Eine intellektuelle Zivilisation irgendwo im Weltraum wird sicherlich Kausalitäten auch bei den nach einer statistischen Wahrscheinlichkeit eintretenden Ereignissen suchen und könnte dort wenn nicht natürliche, dann transzendentale Eingriffe vermuten.  Im Maße jedoch wie gut die Kausalitäten und eine statistische Verteilung in der physikalischen Natur erkannt werden, besteht keine Notwendigkeit mehr, ein willkürliches oder gezieltes Eingreifen des Schöpfer-Gottes im Ablauf der Welt zu sehen.  Selbst die unwahrscheinlichsten Entwicklungen können immer noch als ein besonders seltener Zufall gedeutet werden.

 

Außerdem mag es hochentwickelten Zivilisationen im Weltraum mehr als uns gelingen, ungünstige Entwicklungen und „Zufälle“ abzuwehren und günstige herbeizuführen.  Wäre dieses Eingreifen in die Evolution und das Schicksal dann gegen den weiterwirkenden „Gott“?  Wir auf Erden lehnen ein derartig fundamentalistisches Denken ab, ergreifen die Initiative und bedienen uns unserer Kenntnisse, Fähigkeiten und Freiheit, als ob wir einen weiterwirkenden Gott nicht zu beachten haben oder diesen nur in günstigen Fällen zulassen.      

 

So ist es nicht mit Sicherheit zu erwarten, daß andere, sehr hochentwickelte Zivilisationen im Weltraum an einen über die Urschöpfung hinaus weiterwirkenden „Gott“ glauben. 

 

Wenn eine andere hochentwickelte Weltraumzivilisation dennoch an einen weiterwirkenden Gott glaubt oder davon sogar weiß, wäre es für uns auf Erden von größter Wichtigkeit zu erfahren, wie sie einen solchen Glauben oder ein solches Wissen begründen würde. 

 

Ein einmalig gesehener Eingriff wäre wohl weniger überzeugend, als eine Mehrzahl oder eine Reihe, aus der man möglicherweise noch Rückschlüsse auf das Wesen oder die Absicht Gottes ableiten könnte.  Die in der Chaos-Theorie behandelten Vorstellungen, wonach die sublimsten Differenzen auch die größten Wirkungen hervorbringen können, oder quantentheoretische Überlegungen wären ein Ansatz dafür. 

 

Bei uns auf Erden erscheinen die meisten Schritte der Evolution als erklärbar.  Es bleiben dennoch einige, die sehr unwahrscheinlich, aber in ihrer Wirkung auf die weitere Evolution besonders wichtig waren.  Dazu gehört die Entstehung unserer Erde wo und so wie sie ist (einschließlich der Bildung des Mondes), die Wahl von RNA und DNA als Informationsträger mit sehr komplizierter Molekurbiologie in ihrer Wirkung und bei den nachfolgenden Proteinen, die Entstehung der Nerven mit synaptischer Kopplung und Speichermöglichkeit, die Verfeinerung der Emotionen bis ins Künstlerische und einige andere Evolutionsschritte.  Diese wären aber sehr wenige Schritte göttlichen Eingreifens, in unregelmäßigen Zeitabständen, meist nicht weit führend bis der nächste Schritt als neue Überraschung stattfand.  Dazu kommen die vielen Evolutionswege, die abgebrochen wurden oder in großen Auslöschungen der Naturgeschichte endeten.

 

Die neue “Intelligent Design Theory” (wohl mit “Intelligente Gestaltungstheorie” übersetzbar) versucht nun in Fortsetzung sehr alter Glaubensvorstellungen, aus der besonders intelligenten Gestaltung vieler Naturphänomene ein dahinter stehendes göttliches Weiterwirken im Fortschritt der Evolution abzuleiten.  Wo könnten gläubige Menschen die wirkende Hand Gottes im Wandel der Welt sehen – ohne Verletzung der Naturgesetze und nicht nur in einfachen Zufälligkeiten?  Die Frage der transzendentalen Lenkung von Entwicklungen ergibt sich besonders in folgenden Vorgängen:

o       In einer Sequenz mehrerer unwahrscheinlicher Ereignisse (Ereignisse mit geringer Wahrscheinlichkeit) innerhalb einer für die Wahrscheinlichkeitsüberlegung relativ kurzen Zeit, die in diesem Ereigniszusammenhang zu einem sinnvollen Ergebnis führt.

o       In einer Sequenz von Entwicklungsstufen, bei der die Zwischenstufen der Entwicklung nachteilig sind, das Endresultat aber wertvoll.

o       In dem zeitlichen Eintreten eines sehr unwahrscheinlichen Ereignisses (timing), das durch diese unerwartete zeitliche Koinzidenz zu großer Wirkung führt.

o       In Ereignissen, die nur transzendental gedeutet werden können (zum Beispiel die Stimme, die Saulus hörte und die zu seiner Bekehrung führte).

 

Es müßte ein Katalog solcher Ereignisse vermuteten göttlichen Einwirkens aus der Beobachtung der Evolution oder der Geschichte aufgestellt und auch von Naturwissenschaftlern näher untersucht werden!  Bisher ist das nicht geschehen oder nicht gelungen. 

 

Genauere Beobachtung zeigt nun aber, daß einige der „Designs“ oder angenommenen „göttlichen Gestaltungen“ der Natur eine eher „weltliche“ Deutung zulassen oder aber zu neuen Problemen für die Theologie führen würden.   Planeten mit der Zusammensetzung wie unsere Erde – eine Ansammlung von Reststaub früherer Super-Novas – sind vielleicht doch nicht so ungewöhnlich.  Die Bildung von Monden um Planeten herum oder aus Teilen der Planeten sind vielleicht ganz gewöhnliche Erscheinungen im Kosmos, wie schon in unserem eigenen Sonnensystem zu beobachten, wenn auch mit zufälligen Abweichungen in Größe und Konsistenz.  Die Bildung einer Atmosphäre und die Ansammlung von Wasser durch Kometen oder durch Entgasen der Lithosphäre – besonders nachdem das Herauslösen von Materie durch die Mondbildung die Plattenbewegung der verbleibenden Teile ermöglicht hat – mag auch auf vielen Planeten im Weltraum stattgefunden haben.  Die Bildung großer Moleküle und der Begin des Lebens mag nicht so unwahrscheinlich erscheinen, wenn man die Milliarden von Molekülen berücksichtigt, die sich in der Ur-Umwelt gebildet haben – in flachen Tümpeln oder bei heißen Quellen tief im Ozean – und die Milliarden ihrer Zusammenstöße in Gauss’scher Bewegung bei erhöhter Temperatur über Millionen von Jahren.

 

Die Theologischen Probleme mit der „Intelligent Design Theorie“ resultieren aus der Tatsache, daß einige der „Designs“ oder der „Gestaltungen“, der für etwa göttlich gehaltenen Eingriffe, äußerst grausam sind (siehe mancherlei Parasiten und Krankheiten, wie etwa AIDS).  Andere „Gestaltungen“ erscheinen „unfair“, indem sie bestimmte Gattungen von Lebewesen bevorzugen oder benachteiligen (siehe die Dummheit einiger Tiere, die intelligenteren anderen als Nahrung dienen, und als Gattung nur dank ihrer großen Fruchtbarkeit überleben).  Andere wieder sind direkt unethisch (siehe die menschliche Charakterschwäche, die sich in all den Kriegen und Schrecken der Geschichte zeigte).  Intelligente Gestaltungstheorie kann auch nicht erklären, warum zum Teil sehr komplexe Pilz-, Bakterien- und Virusgattungen entstanden, die dann wunderbare Tiergattungen quälen (siehe die Maul und Klauen Seuche) oder rasch einige Pflanzenarten zum Erlöschen bringen (siehe die Ulmenkrankheit), die ihrerseits erst kurz vorher entstanden waren.  Man braucht nur die Kinderabteilung irgendeines Krankenhauses zu besuchen, um mehr Fragen zu stellen.  Welch eigenartiges Bild des „intelligenten Gestalters“ in Grausamkeit, Ungerechtigkeit und Zerstörung würde sich denn aus dieser Theorie ergeben, wenn sie Gültigkeit hätte?     

 

Ließe die „Intelligente Gestaltungstheorie“ für Gott nur Platz als gelegentlichen Bastler oder Erfinder in der Natur, parallel zu der reichlich nachgewiesenen, selbstlaufenden, natürlichen Evolution?  Wie steht es dann mit Gottes Eingreifen in den allgemeinen Lauf der Welt und der Geschichte?  Die Geschichte des Lebens und der Menschen auf Erden zeigt bemerkenswerte Unklarheit.  Die Endresultate der Evolution, die wir dann vielleicht als positiv beurteilen, hatten oft ungewöhnliche Zwischenstadien zu durchlaufen – als Beispiel: die ursprüngliche Entstehung der Erde mit anfangs für das höherentwickelte Leben unbrauchbarer Atmosphäre, der sehr komplexe und fragile Aufbau des Lebens auf mühsamer Molekularbiologie, die vielen Auslöschungen innerhalb der Darwin’schen Phase der Biologie und die Menschheit mit ihrer oft gequälten Geschichte sinnloser Zerstörung.  Die Zwischenschritte der Evolution sind oft von erstaunlich langer Dauer, ein zielbewußtes Wirken daher nicht erkennen lassend.  Große Durchbrüche auf eine bessere Welt oder höhere Kultur hin werden von Pestilenzen, Kriegen oder menschlichen Dummheiten unterbrochen.  Irrlehren erscheinen öfter, als gute Lehren. 

 

So kann man in Kosmosentwicklung, biologischer Evolution oder menschlicher Geschichte keine klare Ordnung oder Ausrichtung auf ein Ziel sehen, die auf ein weiteres Eingreifen des ursprünglichen Schöpfergeistes „X“ oder Gottes hinweist.  Es zeigt sich in der Evolution eher die Anwendung des „kombinatorischen Prinzips“ (wie vorher erklärt) und das Nutzen von Möglichkeiten, wie sie sich von Zeit zu Zeit ergeben, im Rahmen der Eigengesetzlichkeit der Natur und der Wahrscheinlichkeit.  Die Naturgeschichte zeigt auch die Unterbrechung einzelner Entwicklungsphänomene durch feindliche Kräfte – und die Unterbrechung der allgemeinen Evolution durch große, zufällig auftretende Katastrophen – meistens gefolgt von neuen Phasen großartiger Evolution in völlig neue Richtungen.      

 

Wenn es einen weiterwirkenden Gott im Kosmos gibt, warum geht die Evolution, die menschliche Geschichte und das Schicksal der Einzelnen dann so langsam und oft mehr als mühsam hier auf Erden?  Warum gab es die über zwei Milliarden Jahre Verzögerung zwischen der Entstehung des einzelligen Lebens auf Erden und der Evolution am Anfang des Kambriums zu komplizierten und diversifizierten Organismen?  Warum dominierten die Dinosaurier die Erde für 200 Millionen Jahre, bevor es den schon vorher existierenden Säugetieren vergönnt wurde, sich zu entfalten?  Warum benötigte es 65 Millionen weitere Jahre Darwinschen Ringens bevor Menschen entstanden? 

 

Dann gibt es noch eine Frage:  Warum waren alle diese Zeitabschnitte auf Erden so lang, wenn der schöpfende Geist des Universums die nächste Schöpfungsidee schon vorher irgendwo anders im Weltraum hatte?  Der Gedanke beruht darauf, daß man ja annehmen muß, daß die ganze Entwicklung auf Erden zeitverschoben zu der Entwicklung anderer „Erden“ und Zivilisationen im Weltraum stattfindet, also zeitlich später als viele von diesen.  Das bedeutet, daß ein göttlicher Schöpfungsgedanke für das Erscheinen der belebten Phase der Existenz und die Erscheinung höher begabter oder „intelligenter“ Lebewesen wahrscheinlich nicht zuerst auf Erden in Erscheinung trat.  Bei der Evolution dieser anderen Weltraumzivilisationen wurde also möglicherweise alles schon einmal durchprobiert oder hätte durchprobiert werden können, einschließlich der Entwicklungen, die stecken blieben, versagten, oder zu Sackgassen hier auf Erden führten.  Schließlich muß man ja gewisse Ähnlichkeiten zwischen den Lebewesen des Kosmos erwarten.  Es ist unwahrscheinlich, daß Leben ohne organische Chemie, Zivilisation ohne Denken, Denken ohne irgendeine Art Nerven und Werte ohne Empfinden erscheinen können. 

 

So erscheint in dieser kosmischen Sicht die Erklärung der Evolution durch den Gedanken eines von Zeit zu Zeit „künstlerisch“ weiterschaffenden Gottes, der ständig zu neuen Schöpfungsideen erst hier auf der Erde kommt im Maße wie die Schöpfung sich weiterentwickelt, nicht haltbar.  

 

Schließlich würde sich auch noch die Frage ergeben, nicht nur was der in die Evolution und den Ablauf der Welt eingreifende „Gestalter“ getan hat, sondern was diese geistige Kraft unterlassen und nicht abgewendet hat.  So wurde in der Natur etwa nie das Rad entwickelt oder die metallische Leitung von Signalen und das ganze heutzutage so moderne Gebiet der elektronischen Nachrichtenübermittlung und andere Gebiete, die dann dem menschlichen Erfindergeist möglich wurden.  Ein weiteres Beispiel:  Während das sehr komplexe und „intelligente“ Immunsystem im Körper gegen Bakterien bewundernswert entwickelt wurde, blieb die Verteidigung gegen Viren oder Krebs unterentwickelt.  So blieben diese schweren Leiden für so viele unschuldige Lebewesen nicht abgewendet, wie auch nicht alles Schreckliche, was in der Geschichte der Menschheit geschah. 

 

Dann ist da auch noch die Frage der neuen Geschichte, etwa warum der Holocaust zugelassen wurde.  Das ist die allgemeine Frage der Theodizee,  warum so vielem Bösen oder Nutzlosen nicht entgegengetreten oder dieses vermieden wurde – einschließlich all des Elends und der Katastrophen, die die Unschuldigen auch unserer Zeit befallen.  Um noch einmal obige Frage oder den Ausruf zu wiederholen:  Welch eigenartiges Bild des „intelligenten Gestalters“ würde sich denn aus dieser „Intelligent Design Theory“ bei Beobachtung der natürlichen Evolution und der Geschichte ergeben, wenn sie Gültigkeit hätte?  Als verständlichere Antwort bleibt nur, keinen intelligenten Gestalter in diese Welt eingreifen zu sehen, die nach den einmal gegebenen Naturgesetzen, dem kombinatorischen Prinzip und der aufgewiesenen natürlichen Unbestimmtheit abläuft, so beeindruckend kunstvoll, wie diese Zusammenhänge anfänglich einmal eingerichtet wurden.  

 

Wie kann es eine Konvergenz mit unserem christlichen Glauben geben? 

Die Bibel kennt die natürliche Evolution nicht und sagt daher nichts über ein Eingreifen Gottes in die Entwicklung des Universums.  Die Bibel bezieht sich lediglich auf Gottes Eingreifen als Folge des menschlichen Verhaltens in moralischen Fragen und das auch nur in der jüdisch-christlichen Geschichte.  Da geht es um Bestrafung, Belohnung, Vernichtung schlechter oder Rettung guter Sippen oder Individuen oder um ihnen auferlegte Prüfungen.  Über Gottes Eingreifen bei der Menschheit in anderen Kulturen ist in der Bibel nichts ausgesagt.

 

Soll das heißen, daß Gott erst im Universum eingreift, wenn eine Lebensform im Kosmos Freiheit des Willens und moralische Urteilsfähigkeit erreicht und sie Gottes eigenes Moralgesetz erhalten hat?

 

Eine solche Sicht ist weniger haltbar als eine, die Gottes Eingreifen auch schon in der natürlichen Evolution und bei allen Kulturen auf Erden und im Kosmos sehen würde – oder eine Sicht, die überhaupt kein Weiterwirken Gottes im Weltraum über die Urschöpfung mit ihrer Eigengesetzlichkeit hinaus sieht.  Letztere Sicht würde den Kosmos dann für uns wohl immer noch als überwältigend großartig, aber auch als eine leere Maschine und nicht in Gottes schützender Hand bewahrt erscheinen lassen – außer wo wir Menschen uns erheben, um solch „menschliche“ Bedingungen entstehen zu lassen.

 

Auf der menschlichen Ebene hat die praktische Beobachtung der Geschichte und des Schicksals der Menschen den Glauben an ein ständig richtendes und ausgleichendes Eingreifen Gottes in den Ablauf der Welt nicht bestätigt.  Lediglich die orthodoxen Juden glauben noch – trotz Holocaust – an eine bevorzugte Lenkung ihres Schicksals auf Erden durch Gott (und einige amerikanische Sekten, wie die Mormonen, die aber noch nicht genügend Wandel der Zeiten überstanden haben).  Für alle anderen Gläubigen ergibt sich notwendigerweise erst im Jenseits das ausgleichende Eingreifen Gottes. 

 

Dabei ist eine Sicht des Wirkens Gottes in der moralischen und empfindsamen Welt der Menschen nur mit „guten“ Wirkungen (guten Zeiten, Belohnungen, Rettungen), aber nicht mit auch Zulassung oder Veranlassung der „schlechten“ (Kriegen, Pest, Unfällen, Strafen, Untergängen) weniger haltbar, als eine symmetrische Sicht des Wirken Gottes, die also auch die „schlechten“ Wirkungen als von Gott kommend deutet – zumindest aber von Gott toleriert oder durch Unterlassung von Gottes Hilfe ermöglicht.  Sollen das dann alles nur Versuchungen oder Bewährungsproben sein – auch der Untergang kleiner Kinder oder sehr alter Menschen?  Das verlangt bei einem irgendwie verständlichen Gottesbild – in Anbetracht des ständig entstehenden, unendlichen Leides vieler Unschuldiger durch akzidentelle, kriminelle oder medizinische Ereignisse – den ausgleichenden Jenseitsglauben.  Sonst bleibt nur eine Sicht, die kein weiteres Wirken Gottes in der Welt verständlich erscheinen läßt – weder im Guten noch im Schlechten.

 

So muß man umgekehrt damit sagen, daß ein Wegfallen des Glaubens an ein kompensierendes Weiterleben im „Jenseits“ – selbst nur der Seelen – zum Wegfallen des Glaubens an Gottes Weiterwirken hier auf Erden führen muß – oder zu einem absolut unverständlichen, chaotischen und grausamen Gottesbild.

 

Dazu kommt auch noch, daß bei uns auf Erden das Auftreten von bedeutenden, positiven Ideen als „Eingebung“ zählt, das heißt auch als transzendental verursachtes Ereignis.  Wie steht es aber in einer symmetrischen Sicht mit dem Auftreten schlechter Ideen    zum Beispiel dem Auftreten des entarteten „Kommunismus“ oder des entarteten „National-Sozialismus“? 

 

Bei uns Menschen auf Erden und bei jeder Zivilisation im Weltraum, die die natürliche (bei uns Menschen die neurologische) Grundlage ihrer „Gedanken“ oder jeweiligen Vorstellungssequenzen gut verstanden hat, kann das Auftreten von „Ideen“ aber ganz natürlich erklärt werden und muß nicht transzendental gedeutet werden (siehe Aufsatz „Creative Thought“ von H. Schwab, 1994).

 

Für den gläubigen Menschen zählt die persönliche Erfahrung eines „gütigen“ Schicksals im Lebensablauf oder in wunderbar-rettenden Ereignissen, vor allem auf Hilferufe hin, mehr als alle Theorie bei der Begründung eines Glaubens an einen weiterwirkenden „Gott“.  Gilt das aber nur für die im Leben gut bedachten Menschen?  Wie steht es in einer symmetrischen Sicht mit den unglücklichen, chronisch leidenden, akzidentell oder kriminell geschädigten oder trotz innigen Hilferufs untergegangenen Menschen oder den mit ihnen in Mitleid Leidenden?  Was können diese sagen, glauben, vertreten?  Ist unser Glaube denn ein Glaube nur der Überlebenden und Glücklichen?  So geht eine allgemeingültige, transzendentale Deutung des Schicksals in dieser Welt wieder nur mit einem ausgleichenden Jenseitsglauben.  Dazu ist in einem der folgenden Abschnitte Stellung genommen.  Danach ist ein dauerndes, statisches Ablagern aller „Seelen“ in einem beständigen Jenseits in Anbetracht der fortwährenden Dynamik des Kosmos und des laufenden Neuschaffens und dann des letztlichen völligen Vergehens sämtlicher Strukturen desselben nicht zu erwarten – und damit dann auch nicht eine irgendwie verständliche, transzendentale Deutung des Schicksals.

 

Wenn man den Glauben an einen „weiterwirkenden Gott“ und an ein ausgleichendes Jenseits nicht aufrecht erhalten kann, bleiben dennoch einige stärkende, fast „religiöse“ Nachgedanken:

o       Der Anblick des Kosmos und der biologischen Welt, die wir zumindest hier auf Erden kennen, gibt ein überaus großartiges Bild von der ursprünglich schöpfenden, transzendentalen Kraft, von „X“ – oder „Gott“.  Vor dieser Welt mit allen ihren fein abgestimmten Naturgesetzen, aber auch ihren Freiheitsgraden, auch im Gedanklichen, können wir Menschen nur in Staunen und im Wissen unserer Beschränktheit stehen.

o       Wir müssen oft unser Schicksal akzeptieren.  Wir können aber auch oft mit aller Energie und Kraft des uns gegebenen Geistes und Charakters den von uns als richtig erkannten Weg den Umständen entsprechend gehen, können handeln, auf andere Menschen wirken und somit selber verantwortlich ins Schicksal eingreifen.

o       Dabei kann die Erfüllung des Menschseins darin liegen, den wegweisenden menschlichen Werten zu folgen – in persönlicher Entfaltung, im Dienst an Anderen und die Weltgemeinschaft und in Freude an der Schönheit und Kultur.  Dieses kann in einem großartigen Leben gelten, aber auch in einem kleinen und beschränkten.  Es kann im Ganzen eines Lebens gelten oder auch nur in kurzen Teilen desselben.  Dieses kann gelten, auch wenn es persönliche Opfer verlangt und persönlicher Untergang uns allen früher oder später bevorsteht.

o       So kann man das Weiterwirken in der Welt so interpretieren, daß es doch irgendwie wieder der ursprüngliche Schöpfer ist, der nun aber durch den Menschen – sein Geschöpf mit aller seiner natürlichen Eigengesetzlichkeit – in seiner Schöpfung weiterwirkt.

 

Ein Nachgedanke: 

Das Erscheinen der moralischen Urteilsfähigkeit des Menschen, der seelischen Empfindsamkeit und der Freude am Schönen ist eines der besonderen Wunder der Schöpfung.  Nachträglich ist das Erscheinen dieses evolutionären Wunders vielleicht erklärbar wie es sich in seiner Evolution der Gesetzmäßigkeit der Natur bediente.  Die Entstehung von moralischen Werten, seelischer Empfindsamkeit und Freude am Schönen war aber nicht vorhersehbar, ihre Entstehung nicht naturgesetzlich zwangsläufig so nötig.  Darin eben kann ein in der Schöpfung begründetes Wunder gesehen werden.

 

 

Der persönlich anrufbare und etwa auch helfende Gott:

 

Die Frage, ob Gott anrufbar ist, den betenden Menschen hört und etwa ihm auch hilft, steht in direktem Zusammenhang mit zwei Konzepten

o       Der Vorstellung Gottes als liebenden „Vater“, wie von Christus gelehrt, oder zumindest als offen für die Emotionen von Mitleid, Gerechtigkeit und Fairneß

o       Der Frage nach dem im Rahmen einer Hilfe „weiterwirkenden“ Gott.

 

Die christliche Sicht Gottes als eines liebenden (oder auch mal zürnenden) Vaters ist letztlich auf der Emotionalität des Menschen begründet und entspricht deren Notwendigkeit. [9]  Ist hier aber vielleicht Menschliches ins Göttliche projiziert?  Oder gilt, daß was im Menschen von der Schöpfung her entstanden ist auch im Schöpfer enthalten sein muß?   

 

Wer eigene schwere Not oder Not im Mitleid erfahren hat, versteht, wie jeder Betroffene sich an die transzendentale Macht hinter Schöpfung und Schicksal wendet, um einen „gnädigeren“ Ablauf der Ereignisse zu erbitten.  Sollte Gott denn nicht die Geschöpfe wahrnehmen, die er geschaffen hat?  Kann er sich dem Leid oder der Ungerechtigkeit ihres Lebens verschließen?  Sollte Gott nicht die Berechtigung der Gefühle anerkennen, die er geschaffen hat?

 

Ein besonderes Maß der Hilfe Gottes sieht der gläubige Mensch auch im Empfang einer seelisch-emotionalen Stärkung, sein gegebenes Schicksal anzunehmen. 

 

Eine Welt ohne diese Verbindung zu Gott wäre emotional kalt und leer, für manche Menschen in ihrem schweren Schicksal nicht einmal lebenswert – außer wenn sie sich zu ihrer Verantwortlichkeit und etwa doch noch verbleibendem Potential als Menschen erheben – und eine helfende Hand finden, wo sie von Nöten ist.

 

Damit ergibt sich aus den Emotionen das Suchen nach einer persönlichen Gottesvorstellung, die das intellektuelle Verstehen und die daraus resultierende Bewunderung der Großartigkeit der Schöpfung und die aus dem Denken entstandene Eingliederung des Menschen in diese Schöpfung und das Schicksal ergänzt oder übersteigt.  Dabei stehen jedoch der Frage nach einem anrufbaren und helfenden Gott zwei Überlegungen entgegen:

 

Im Holocausts, bei der Bombardierung von Dresden, bei den Terroranschlägen in New York und aller anderen Grausigkeiten während der ganzen Geschichte dieser Welt sind sehr viele Kinder und unschuldige Menschen trotz ihres heißen Flehens zu Gott oder ihren jeweiligen Göttern um Hilfe in großem Leid umgekommen.  Viele schätzenswerte Menschen gehen durch ein schweres Alter und leidvolles Sterben trotz aller Gebete in ihrer großen Not.  Die Gottesschau eines stets „liebenden“ und ins Schicksal eingreifenden „Vaters“ ist daraus nicht möglich. 

 

Ein Gottesbild, das Gottes Anrufbarkeit und persönliche Hilfe in Aussicht stellt und Gottes weiterwirkendes Eingreifen in den Ablauf der Welt im Allgemeinen vorsieht, kann nicht gleichzeitig das unendliche Leid auf der Welt durch alle Zeiten erklären.  Das ist nur von denen denkbar, denen es im Leben letztlich gut ergangen ist oder die ein kompensierendes, gutes Leben im Jenseits erwarten.  So bleibt bei fehlendem Jenseits, wie im Weiteren diskutiert, nur ein Gottesbild, das Gott nicht in den Ablauf der Welt eingreifen sieht, sondern die Welt ihrer Eigengesetzlichkeit und der Initiative der Menschen selbst überläßt – sei es in der Medizin, im Karitativen, der Einhaltung des Rechtes oder der Politik.  Das ist dann das Verständnis eines nicht-weiterwirkender Gottes, der dann auch nicht von Anrufen zum Einschreiten in den Ablauf der Welt erreicht werden kann.  

 

Die Anrufbarkeit Gottes und Seine persönliche Hilfe ist übrigens  bisher nicht mit naturwissenschaftlicher Methodik untersucht worden.  Dazu müßten vergleichende, quantifizierte und wiederholbare Beobachtungsreihen über Anruf und Antwort oder Rückwirkung vorliegen, etwa im Rahmen einer „quantitativen Theologie“.  Ein antiker Herrscher hat einmal den Wahrheitsgehalt verschiedener göttlicher Orakel verglichen.  Andere Herrscher haben einzelne Gläubige auf die Probe gestellt und damit die Anrufbarkeit und Hilfe ihres Gottes geprüft.  Eine systematische Untersuchung in unserer Zeit wird aber von den Theologen als eine dem Menschen gegenüber Gott nicht zustehende Anmaßung abgelehnt, obwohl das Forschen in jedem anderen Bereich der Schöpfung, auch im Bereich der Seele, in der Psychologie, als dem Menschen dank seiner ihm gegebenen Intellektualität zustehend gebilligt wird.  [10]

 

Kann die Weltraumforschung etwas zu dieser Diskussion beitragen? 

Man kann nicht voraussetzen, daß andere Weltraumlebewesen den neurophysiologischen Kontrollmechanismus der „Emotionen“ und damit die Fähigkeiten oder Eigenschaften der Emotionalität und damit der „Werte“ auch entwickelt haben und besitzen.  Hat man nicht den Eindruck, daß diese auch bei einigen Zivilisationen auf Erden gefehlt haben, z. B. nicht nur bei den massenmordenden Azteken, sondern auch bei den sie dann plündernden Spaniern?  Schließlich verläuft auch die Kontrolle des Bienen- oder Ameisenstaates ohne Emotionen.

 

Andererseits kann man nicht ausschließen, daß anderen Weltraumzivilisationen weitere Dimensionen der Wahrnehmung oder des Bewußtseins zur Verfügung stehen, die wir nicht kennen.  Dadurch würde eine andere Gottesschau entstehen, die, wenn nicht höher, zumindest anders ist als unsere.  So wäre die Frage nach der persönlichen Religiosität anderer Zivilisationen im Weltraum für uns auf Erden von ganz besonderem Interesse.  Selbst wenn sich daraus eine andere Anrufbarkeit Gottes ergäbe, wäre das Gewähren von Hilfe auch bei anderen Weltraumzivilisationen an die Frage gebunden, ob Gott in die Schöpfung weiterwirkend eingreift – was, wie oben gezeigt, nicht erwartet werden kann.

 

Wenn man die geistige Schöpfungskraft „X“ oder „Gott“ wohl als schöpfende Urkraft versteht, nicht aber als weiter in die Schöpfung eingreifend, also auch nicht als persönlich helfend, so erübrigen sich alle Opfer an die Götter oder an Gott und die religiöse Notwendigkeit für Rituale.  Man kann aber sehr wohl dennoch Gott in seiner transzendentalen Größe verehren – intellektuell, emotional und künstlerisch.  Man kann Gott auch für persönliches Glück, das sich aus der Gesamtschöpfung ergeben hat, danken.  Man kann sich in positiven Zeiten des Lebens über alles Gute und Schöne freuen.  Man kann in schlechten Zeiten versuchen, seine eigene begrenzte Bedeutung innerhalb der Schöpfung anzuerkennen und seine verbleibenden Kräfte oder Gaben nutzen, die Dinge in Verantwortlichkeit besser zu gestalten.  Man kann sich in der eigenen Zielsetzung mit „Gottes“ Schöpfung identifizieren in Verfolgung des menschlichen Denkens, der Umsetzung der menschlichen Werte in die eigene Lebensführung, der Hilfe an Andere und im Beitrag an eine schönere Welt.

 

Wie kann es eine Konvergenz mit unserem christlichen Glauben geben? 

Die Tatsache, daß sehr viele, inständige Gebete durch die Jahrtausende der menschlichen Geschichte nicht „erhört“ wurden, daß es „guten“ Menschen schlecht und „schlechten“ Menschen gut erging, führte zum Glauben an ein ausgleichendes Jenseits.  Wenn man aber das Eingreifen Gottes in den Ablauf der Welt und damit die Anrufbarkeit Gottes nicht sehen kann, verbleibt dann nur das Gebet um eine Stärkung der Seele, das gegebene Schicksal anzunehmen.

 

Das Gebet um eine Stärkung der Seele, das Schicksal anzunehmen, kann man auch so verstehen, daß man sich meditativ auf die Größe Gottes besinnt, die Schöpfung in ihrer Eigengesetzlichkeit anerkennt, sich hingebend einfügt – und dann die Initiative ergreift und sein eigenes Bestes für das Notwendige, Richtige oder Gute tut!

 

Hier noch einmal einige Gedanken in Abwandlung des vorher Gesagten:

o       Der Anblick des Kosmos gibt ein überaus großartiges Bild von der ursprünglich schöpfenden, transzendentalen Kraft, von „Gott“.  Vor dieser Welt mit allen ihren Erscheinungen, aber auch dem Entstehen der menschlichen Emotionen, Werte und Freuden können wir nur in Staunen, Annehmen unseres Platzes und im Wissen unserer menschlichen Beschränktheit stehen.

o       Wir müssen das Leid unseres Schicksals akzeptieren, aber können auch unsere Freuden bewußt wahrnehmen. 

o       Wir können und müssen mit aller Energie und Kraft des uns gegebenen Geistes und Charakters uns für persönliche Entfaltung und für das Gute und Schöne in unserer Umwelt einsetzen.  Wir können handeln, auf andere Menschen wirken und somit das erbringen, was in der göttlichen Schöpfung die Möglichkeit, vielleicht sogar die Aufgabe des Menschen ist.

o       Dabei kann durch diesen Einsatz uns selbst eine Erfüllung des persönlichen Menschseins möglich werden – in persönlicher Entfaltung, in Dienst an Anderen und an der Weltgemeinschaft und in Freude an der Schönheit und Kultur.  Diese gilt, selbst wenn eine solche Lebenserfüllung nur vorübergehend möglich ist.  Diese gilt auch, wo persönliche Opfer verlangt und persönlicher Untergang uns allen früher oder später bevorsteht.

o       Die Schöpfung erscheint wie ein vorübergehendes Feuerwerk, das entsteht, vielfältig aufleuchtet und wieder vergeht.  Die Bedeutung des Menschseins in diesem Ablauf liegt im intellektuellen, ethischen und zivilisatorischen Aufbau.  Es liegt auch darin, daß der Mensch – dank seines kontemplativen Empfindens und „Bewußtseins“ – ein Schöpfungsphänomen ist, das bei diesem Feuerwerk „zuschaut“.  Es liegt aber besonders in der verantwortlichen Verfolgung, Weiterentwicklung und aktiven, unmittelbaren Umsetzung seiner „Werte“ auf der Erde – einem bevorzugten Platz des Kosmos – und damit in einem Eingreifen in den Ablauf des Geschehens.

o       Dieses gilt für uns auf Erden.  Wir können dieses auch bei anderen Weltraumzivilisationen als geltend erwarten.

 

 

Der richtende Gott und das Jenseits:

 

Der Glaube an das Richten Gottes beruht auf dem Glauben, daß die Moralgesetze (sowie die Opfer- und Ritualgesetze) von Gott gegeben sind und daher deren Einhaltung auch von Gott durch Belohnung oder Bestrafung durchgesetzt wird.

 

Das „Richten“ kann sich sowohl auf Konsequenzen im jeweils ablaufenden Leben des Gerichteten, oder aber auf Konsequenzen nach dem Leben, im Jenseits, beziehen.  Konsequenzen in diesem Leben setzen einen „weiterwirkenden“ Gott voraus, der – wie oben gezeigt – bei uns auf Erden und bei anderen, hochentwickelten Weltraumzivilisationen nicht erwartet werden kann. 

 

Dazu kommt die Beobachtung auf der Erde, daß das richtende Eingreifen Gottes im irdischen Leben der Menschen nicht konsequent beobachtet werden kann.  Gelegentlich wird es bei passenden Schicksalswendungen vermutet, aber im Allgemeinen sieht man es nicht (siehe dazu auch die Diskussion bezüglich des „weiterwirkenden“ Gottes). 

 

Man könnte noch glauben, daß das Richten ein zeitloses Momentanerlebnis im Augenblick des Todes ist.  Die Beobachtung des friedlichen Todes von Bösewichtern zeigt das nicht.  Mein eigenes Erleben des Sterbevorganges zeigt eher, daß das Sterben im letzten Augenblick – wenn nicht immer, dann doch meistens – ein Ausklingen in eine sehr große und wunderbare Ruhe ist. 

 

So bleibt nur der Glaube an ein Richten im Jenseits, was dann den Glauben an ein Weiterleben im Jenseits verlangt.  Dieses Thema war schon vorher berührt und ist in einem folgenden Kapitel über die christlichen Glaubensinhalte besonders diskutiert.  Es wird dort gezeigt, daß die astrophysikalisch gesehene ständige Dynamik und begrenzte Lebensdauer des gesamten Kosmos ein stabiles und ewiges Jenseits und statisches Einlagern von Seelen auf Dauer als nicht verständlich erscheinen läßt.  Ein zeitlich begrenztes Jenseits würde einen zweiten Tod jener „Seelen“ bedeuten.  

 

Dazu hat sich unser Verständnis von Kriminalität und Gerichtsurteilen seit der Entstehung unserer Religionen geändert.  Wir haben medizinisches, psychologisches und soziologisches Verständnis für Fehlverhalt entdeckt und sehen nur selten die Notwendigkeit für Abschreckung, vorzugsweise aber für Umerziehung und Reintegration, sonst nur selten für Isolierung der chronischen Übeltäter.  Abschreckung verlangt ein Bekanntwerden der Urteilsvollstreckung.  Isolation und Reintegration verlangen ein Weiterleben.  Wie soll das zu den alten Vorstellungen vom Richten und Weiterleben im Jenseits passen?  Oder gibt es beide nicht?

 

Es wäre überraschend, wenn die Beobachtungen anderer Weltraumzivilisationen anders wären, das heißt, daß Gott dort direkt und konsequent eingreift – belohnend, bestrafend in des tägliche Leben und Schicksal der Einzelindividuen und Gemeinschaften eingreifend – bei uns auf Erden aber nicht.  Würde uns das hier auf Erden als auf einer von Gott vernachlässigten Welt erscheinen lassen?  Das entspricht nicht dem christlichen Glauben an einen Gott-„Vater“ und einer kohärenten Weltordnung.  So wird die religiöse Vorstellung eines „richtenden Gottes“ auch bei anderen Weltraumzivilisationen kaum im Alltagsleben begründet sein, sondern müßte auch dort zu einem Glauben an ein Jenseits führen.  Daher wird der Glaube an einen richtenden Gott bei anderen Weltraumzivilisationen nicht bestehen.

 

Man könnte noch sagen, daß der Mensch oder eine Gesellschaft, die gegen die im Menschen von Natur aus verankerte Moral lebt, nicht glücklich sein kann.  Damit würden sie sich aus der Eigennatur des Menschen heraus selbst richten.  Damit wäre das Richten Gottes in die Veranlagung des Menschen, wie sie sich aus der Urschöpfung und Evolution ergibt, zurückverlagert.  Es zeigt sich allerdings, daß ausbeutende Individuen oder Gesellschaften das den Anderen zugefügte Leid selber meist gar nicht empfinden.  Sie sehen in der Ausbeutung ihr eigenes Lebensglück.  So können sie bestenfalls an einen sie persönlich vor allen Anderen bevorteilenden Gott glauben (wie etwa einige Juden), aber nicht an einen über alles richtenden.   

 

Die Frage nach dem Bösen, dem Nutzlosen und dem Leiden in der Welt:

 

Das „Böse“, im Gegensatz zum „Nutzlosen“ oder dem „Leiden“, beruht auf der empfindungsmäßigen Beurteilung von einem Verhalten, das die Moralgesetze verletzt.  Das „Nutzlose“ sehen wir in der sinnlosen Zerstörung von Wertvollem, dem frühzeitigen Zugrundegehen wertvoller Menschen oder einem inhaltlosen, nicht genutzten Leben.  Das „Leiden“ ist der bei einem selbst oder im Mitleid bei anderen empfundene Nachteil oder Schaden, etwa auch körperliche oder emotionale Schmerzen im Leben.

 

Gibt es Böses, Nutzloses und Leiden überall im Kosmos?  Wie oben dargestellt, kann bei anderen Weltraumzivilisationen das Abweichen von Verhaltensnormen unter Individuen als Teil der Evolutionsmechanismen sehr wohl erwartet werden.  Ohne derartige Abweichungen gäbe es keinen evolutionären Fortschritt.  Auch das Vorhandensein von Empfindungen kann zwar nicht vorausgesetzt, aber auch nicht ausgeschlossen werden.  Somit wird es das „Böse“ zumindest auch bei den mit „Empfindung“ begabten Weltraumzivilisationen geben.  Dabei wird sich das „Böse“ wohl immer auf das Zufügen von Schaden, Ablehnen von Erwartungen oder das Verletzen von Empfindungen Anderer Lebewesen oder Gemeinschaften beziehen.  Daher und wegen der statistischen Ereignisse überall im Kosmos wird es auch das Nutzlose und das Leid bei anderen Weltraumzivilisationen geben, besonders bei denen mit Gefühl begabten.

 

Das Böse, das Nutzlose und das Leiden in der Schöpfung wird also auch bei anderen, empfindenden Weltraumzivilisationen kausal oder als Phänomene der Wahrscheinlichkeit erklärt werden müssen.  So obliegt es den Zivilisationen im Weltraum, entsprechend einschränkende Maßnahmen aktiv aufzubauen und zu erhalten, wie bei uns durch Gesetze, Polizei, Psychologie, Medizin, das Staatswesen, und persönliche Lebensführung.  Man kann nicht annehmen, daß hochentwickelte Weltraumzivilisationen das anders sehen.  Eine andere Vorstellung oder Glaube wäre allerdings von größter Bedeutung für uns auf Erden.

 

Noch einige besondere Bemerkungen zum „Bösen“ in der Welt:

Bei uns Menschen auf Erden ist das „gute“ oder „böse“ Verhalten – damit auch der Charakter oder die Persönlichkeit eines Individuums – von drei Faktoren beeinflußt, wenn nicht sogar bestimmt. [11]  Diese sind:

-         die neurophysiologische Struktur,

-         die Körperchemie

-         die vorausgehenden Erfahrungen (einschließlich der eigenen Gedanken), beziehungsweise die Eingebundenheit des Individuums in eine Umwelt, Kultur oder Religion.

 

Alles dieses geht zurück auf genetische, Zufall oder Unfall bedingte und psychologische Gegebenheiten sowie eigenes Denken.  Zu den äußeren Einflüssen – teils unter eigenem oder Umwelteinfluß – gehören auch Ernährung, Kaffee, Alkohol, Drogen, Klima und die Wirkung körperlicher Aktivität.  Wir glauben zwar an die „Freiheit des Willens“, versuchen dennoch, oben genannte Faktoren des Verhaltens und der Persönlichkeit soweit wie möglich zu beeinflussen, angefangen mit der Schulung und Positionierung unserer Kinder. 

 

Bei anderen Weltraumzivilisationen mögen die Mechanismen der individuellen Persönlichkeitsbestimmungen andersartig sein.  Sie ergeben sich aber letztlich immer aus Hardware und Software ihres biologischen Systems und dessen Wartung, das heißt der Sensorik, der Signalübertragung, der Signalverarbeitung, dem Gedächtnis und der Betätigung der Aktuatoren jener Wesen  -  mit den gleichen Konsequenzen, wie bei uns.  

 

Bei der Korrektur des „Bösen“, das heißt von Fehlverhalten, sollte man nach obiger Darstellung der Grundlagen des Verhaltens annehmen, daß bei anderen hochentwickelten Weltraumzivilisationen mehr Betonung auf Umerziehung (oder Umprogrammierung), Einrichten von kulturell/religiösen Umgebungsveränderungen und auch auf „medizinische“ Eingriffe (Medikamente, Operationen und andere Hilfsmittel) Wert gelegt wird, als auf emotionale Vergeltung oder Rache [12]. So bleibt an Stelle von Strafe dann nur ein Charakter-verändernder Eingriff oder die Abschreckung – höchstens noch die abschirmende Eingrenzung des „bösen“ Individuums zur Verhinderung weiteren Schadens.  Sollte das dann nicht auch für uns auf Erden und auch für Gottes Richten gelten?  Das würde die traditionelle Vorstellung vom Jüngsten Gericht, Hölle und Jenseits wesentlich verändern! 

 

Das besonders Interessante für uns wird sein, wie das uns letztlich geheimnisvolle Phänomen der „Freiheit des Willens“ und damit die persönliche Verantwortung bei anderen Weltraumzivilisationen gesehen, erklärt und möglicherweise gestärkt wird – und wie deren Vorstellungen von der Freiheit des Willens in deren Konzepte eines „Gerichtes“ und dessen Konsequenzen eingehen. 



[1]  Ein grundsätzliches Prinzip der Natur veranlaßt die Verbindung von „Strings“ zu Quarks und Gluons, Elementarteilchen, Atomen, Molekülen, großen biochemischen Molekülkombinationen, Zellen, komplexen Organismen, und sogar von einzelnen Wahrnehmungen und Denkvorgängen zu komplexen Vorstellungen und Denksystemen.

[2]   Ein Beispiel:  Nur eine geringe Veränderung des Verhältnisses der Masse des Proton zu der des Elektrons oder der Ladung des Elektrons würde die Entstehung schwerer Elemente in Sternen unmöglich gemacht haben.

[3]  Dabei mögen auch andere Weltraumzivilisationen in die physikalischen und philosophischen Überlegungen verwickelt sein bezüglich der inflationären Phase ganz am Anfang des Urknalls, ob das Raum-Zeitsystem der Existenz in sich selbst ohne Grenze geschlossen ist, ob eine quantenmechanische Fluktuation die Entstehung der Welt erklären kann, ob die Summe der Kosmosenergie aus Materie und Gravitation als gleich Null gesehen werden kann, ob Materie vielleicht aus einer Raumkrümmung entstand, wie man zeitliche Kausalität vor der Entstehung der Zeit oder in imaginärer Zeit verstehen kann und andere Gedanken, die tiefer in die Abstraktheit der Urschöpfung hineinführen (siehe Prof. Hawking, Cambridge, oder Prof. Gott, Princeton), aber auch nicht die Entstehung der Naturgesetze oder des kombinatorische Prinzips erklären, siehe eine vorhergehende Fußnote.

[4]   Wenn man Existenz als das Vorhandenseins eines Unterschiedes sieht, so kann man dessen Ursprung mit der einfachsten mathematischen Stufe als „0/1“ oder mit der geringsten Quanten-Wirkung „q“ bezeichnen, von der alles andere kombinatorisch entstand.  Wo bleibt dann aber das Entstehen der Zeit und damit jeglicher Dynamik der Existenz?  Wo bleibt das Entstehen von Leben, von allen menschlichen „Werten“ und von Freude am Schönen?

[5]   Dieses geschieht wahrscheinlich durch quantenmechanischen Fluktuationen.  Dadurch können sich Paare von subatomaren, komplementären Elementarteilchen in der Nähe der „schwarzen Löcher“ bilden.  Diese können dann unsymmetrische von den schwarzen Löchern „verschlungen“ werden, so daß etwa die aus Antimaterie bestehenden Teilchen der Paare in den Löchern verschwinden.  Das führt dann zu der beobachteten Strahlung und zu Masseverlust der schwarzen Locher – die sich endgültig nach sehr langer Zeit sogar auflösen können.

[6] Dabei kann natürlich der Rückblick von einem erschaffenen System auf den erschaffenden Geist möglicherweise nur einen begrenzten Einblick in diesen geben.  Für das erschaffene System und dessen beabsichtigte oder zugelassene Funktion genügt dieser Einblick aber.     

[7]  Zu den wichtigsten Naturkonstanten gehört die Geschwindigkeit des Lichtes im Vakuum, die Planck Konstanten für die geringste Energie, Länge und Zeit, die Ladung des Elektrons und das Verhältnis der Massen von Proton zu Elektron (kritisch für die Erstellung schwerer Elemente und deren Verteilung im Weltraum durch Super-Novas).

[8]  Zur ausführlichen Diskussion der Freiheit des Willens sollen noch folgende Gedanken hinzugefügt werden:

Was ist denn Freiheit des Willens?  Zu tun, was man will!  Also ist es Freiheit der Selbstverwirklichung, des Selbstausdruckes.  Das „selbst“ ist geformt von genetischen Faktoren der Körperstruktur, Neurophysiologie, Biochemie, vorhergehenden Erfahrungen, persönlichen Wahlen und eigenem Denken.

     Die Frage der Freiheit entsteht vor allem im Widerspruch der Unterdrückung von Optionen durch externe (politische, kulturelle) oder interne (psychologische, pathologische) Kräfte.

    In diesem Sinne haben auch schon Vögel die Freiheit hinzufliegen, wohin sie wollen – aber nicht, sich wie Katzen zu benehmen.  Menschen können sich gewollt anders verhalten, als durch ihre Persönlichkeit vorgegeben (im Rollenspiel), selbst gegen ihr eigenes Interesse (im Karitativen), oder sogar in gewollt willkürlichem Verhalten – außer, wenn unterdrückt, wie vorher bemerkt.  Was würde denn ein absolut freies Individuum anders tun, als das?

     Folglich betrifft die Diskussion der Willensfreiheit entweder das Dilemma, jemand anderes sein zu wollen, als man selbst ist (einschließlich anderer Persönlichkeit, siehe den Aufsatz „Human Personality“ von H. Schwab), oder die Revolte gegen psychologische Faktoren („Ich möchte Gewicht verlieren, ich möchte mehr willensstark sein, aber ich kann nicht“), gegen Beschränktheit persönlicher Fähigkeiten („Ich wünschte, daß ich klüger wäre“), und gegen seinen Platz im Leben – einschließlich der Einbettung in einer Kultur.

     Die neurophysiologische Willensbildung durch Auswertung der sensorischen Eindrücke, Rückbeziehung auf Gedächtnis, Denken und Bewerten von Faktoren und sogar das kürzlich entdeckte zeitliche Nachlaufen bewußter Gedanken bezüglich einer Entscheidung nachdem bereits der Willensausdruck durch unterbewußte Prozesse begonnen hat, kann nicht gegen die Freiheit des Willens gehalten werden.  Wie würde denn eine freie Person es anders tun – im Selbstausdruck, in Selbstverwirklichung?  Es mag da sogar eine „Unschärferelation“ in der Bildung des Willens im Hirn geben (siehe den Aufsatz „Mental Creativity“ von H. Schwab).          

[9] Was sind „Emotionen“?  Emotionen haben sich durch die Evolution des mittleren Hirnbereiches und der Körperchemie als praktischer Kontrollmechanismus der entstehenden höheren Lebewesen vor vielen Jahrmillionen gebildet und dann, besonders später beim Menschen, sehr verfeinert und weiterentwickelt.  Dadurch wurden eine Reihe wichtiger Lebensfunktionen jenseits von den primitiveren, neuro-mechanischen, reflexiven Reaktionen einfacherer Lebewesen auf holistische Weise mit relativ geringem neurophysiologischen Aufwand kontrollierbar. 

     Emotionen (Empfindungen, Gefühle) sind Teilphänomene des menschlichen Bewußtseins, die holistisch die Bewertung von Zuständen, beziehungsweise den Wunsch nach Veränderung eines Zustandes ausdrücken.  Während Gedanken spezifische, virtuelle Vorstellungen von der Art von Worten, Bildern oder anderen Wahrnehmungsarten (Akustik, Geruch, Gefühl) sind, sind Emotionen nicht derart spezifische Vorstellungen, können diese aber auslösen.  Emotionen sind vage und schwer beschreibbar. 

     Emotionen gestatten den Zusammenhang von Situationen nicht nur schneller, sondern auch bezüglich der Kausalität und Auswirkungen besser oder „tiefer“ zu erfassen, als das synaptisch/logische „Denken“ des frontalen Hirnbereiches, denn sie erfassen die Grundlage und nicht die Symptome der Situationen.  Das gilt aber nur für Situation oder Teilaspekte von Situationen, bei denen das Empfinden einen kausalen oder auswirkungsmäßigen Zusammenhang hat, also vor allem menschliche Situationen. 

     Bei rein sachlichen Zusammenhängen, etwa in der Mechanik oder Geologie, nützen Emotionen nichts – dort helfen bestenfalls „Intuitionen“ oder das „intuitive“ Erfassen von Situationen, das aber aus einem ganz anderen neurologischen Zusammenhang entsteht und nicht auf Emotionen basiert und andersartige, eben praktischere Erkenntnisse vermittelt. 

     Die „Erleuchtungen“ östlicher Meditationsschulen sind wiederum andere neurophysiologische und psychologische Phänomene wohl virtueller Art, aber ohne Erkenntnisvermittlung praktischer oder emotionaler Art. 

     Es ist ungünstig, daß man sprachlich viele holistische Bewußtseinsphänomene in dem einen Wort „Emotionen“ zusammenfassen kann, denn es handelt sich um sehr unterschiedliche Phänomene mit unterschiedlichen Verankerungen in der Neurophysiologie des Hirns und der Körperchemie.  Man kann vor allem drei Gruppen von Emotionen unterscheiden:

1)      Natürliche Verlange (Hunger, Durst, Sex) oder Drogenabhängigkeiten.

        Diese Emotionen sind spezifisch und zielgerichtet und verschwinden bei Erfüllung des Verlangens.

2)      Ethische Empfindungen der „warmherzigen“ Verbundenheit, wie Sorge für Kinder, für Sippenangehörige oder Aufopferung für das Gemeinwohl, also Formen der nicht-erotischen „Liebe“ (im Griechischen der αγαπη oder  φιλια, nicht der ερως).

Diese bereits proto-ethisch in der Tierwelt vorhandenen Emotionen sind allgemein genetisch begründet, aber durch persönliche und kulturelle Lernvorgänge ausgerichtet, verfeinert und in ihrem Wirkungsbereich verallgemeinert (siehe die christliche Nächstenliebe für alle Menschen).  Ein von „Herzen“ kommender, liebender Glaube an Gott und die Erwartung der Liebe eines „Gott-Vaters“ liegen in diesen Emotionen begründet.

3)   Allgemeine Zustandsempfindungen von Glück oder Leid in vielen Variationen.

Dazu gehört auch das Glück des erfüllten Lebens, menschlicher Verbundenheit oder Nützlichkeit, der Freude an allem Schönen, sowie aber auch des Leides eines sinnlosen Lebens, der Einsamkeit oder Nutzlosigkeit, auch der Langeweile, sowie der trostlosen Häßlichkeit.

      Bei uns auf Erden hat sich durch die Emotionalität der zweiten und dritten Art eine in der Evolution ganz neue Dimension des Existierens ergeben, die dann zur Entfaltung der menschlichen „Werte“ und der Höhe der „Menschlichkeit“ auf unserer Erde führte.  Zusammen mit dem Bewußtsein und der Denkfähigkeit des Menschen sind es diese Werte, die die Bedeutung und die Rechtfertigung der zu respektierenden „Würde“ des Menschen und der „Heiligkeit“ des menschlichen Lebens (aber bemerkenswerter Weise nicht des pflanzlichen oder tierischen) ausmachen.

 

[10]  Der Papst hat anläßlich einer wissenschaftlichen Tagung im Vatikan vor nicht all zu langer Zeit auch die Forschung über den letzten, kosmologischen Urgrund der Entstehung des Universums untersagt, da es sich dabei um eine Handlung Gottes gehandelt habe, die dem Menschen zu untersuchen nicht anstehe.

[11]  Siehe den Aufsatz „The Brain, the Mind:  Human Personality” von H. Schwab, 2002

[12]  Das “Rache-verhalten“ bei uns Menschen ist ein unglückseliges Überbleibsel einer evolutionären Entwicklung aus der Urzeit im genetisch vorgegebenen Reziprozitätsverhalten, dessen neurophysiologische oder kognitiv-psychologische Verankerung wohl noch nicht genügend verstanden und dessen Abbau noch nicht gelungen ist.  So bleibt dieses Übel bei uns und zwar nicht nur zwischen Individuen, sondern wird von diesen auch zwischen Gesellschaftsgruppen oder Staaten toleriert, weit über rationale Abschreckung oder erzieherische Wirkung hinaus, meist nur endlose Gegenrache hervorrufend, siehe die Kämpfe im Mittleren Osten.